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Zu viele Schulden zu haben, belastet Menschen schwer. Das macht krank, antriebslos und kann in einen Teufelskreis führen. Eine Chance, diesem zu entkommen, ist ein Anruf bei der Schuldenhelpline. Seit 2006 gibt die von der TARGOBANK Stiftung unterstützte telefonische Schuldnerberatung konkrete Tipps – und leistet viel Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Gastbeitrag von Michael Eham, Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Köln e.V.

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Michael Eham, Geschäftsführer Schuldnerhilfe Köln

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland haben ernsthafte Schwierigkeiten, ihren finanziellen Verpflichtungen gerecht zu werden: sie sind überschuldet oder schweben in der Gefahr, es bald zu sein. Rund 1.200 Beratungsstellen in Deutschland bieten Hilfe an, doch angesichts des Bedarfs ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. Hinzu kommen lange Wartezeiten – und dass es praktisch nicht möglich ist, sich anonym an die persönliche Vor-Ort-Beratung zu wenden. Deshalb zögern viele, sich helfen zu lassen: Unterstützung wird oft erst gesucht, wenn die Verzweiflung größer geworden ist als die Scham. Dabei lässt sich gerade am Beginn einer Fehlentwicklung gut helfen. Aus diesen Überlegungen heraus entstand vor mehr als zehn Jahren die Idee zur Schuldenhelpline.

Für Betroffene sollte der Weg zur Hilfe so einfach wie möglich werden: Per Telefon oder E-Mail und auf Wunsch anonym können sie hier kostenlos eine zuverlässige Ersthilfe erhalten. Ersthilfe – das bedeutet auch: viele der geschilderten Fälle sind nicht überaus kompliziert, denn die meisten Anrufer holen sich tatsächlich in einem relativ frühen Stadium der Schuldenproblematik Rat. Häufig ist es eine einzelne praktische Auskunft, ein konkreter Hinweis, womit dem Anrufer fürs Erste geholfen ist – etwa wie man die Pfändung des Kontos verhindert, damit die Miete weiter gezahlt werden kann. Wenn es gelingt, dass der Anrufer selbst wieder das Heft des Handelns in die Hand nimmt, ist bereits viel gewonnen. Dazu findet er zum Beispiel Musterbriefe auf der Website www.schuldenhelpline.de.

Endlich wieder eine Nacht durchschlafen können

Durch die niedrige Eintrittsschwelle – tatsächlich nennen 12 Prozent der Anrufer zunächst einmal nicht ihren Namen – gelingt es, die Hilfe in einer frühen, sehr aussichtsreichen Phase anzubringen: In zehn Jahren hat die Schuldenhelpline über 20.000 Betroffene beraten – 70 Prozent der Anrufer oder E-Mail-Absender konnte so gut geholfen werden, dass kein weiteres Beratungsangebot an anderer Stelle mehr erforderlich war.

Es geht aber nicht nur darum, dass die Betroffenen lernen, mit ihrer finanziellen Situation wieder zurechtzukommen. Sehr viel schneller und direkter greift die Hilfe auf einer emotional-psychologischen Ebene: Die Menschen müssen sich nicht mehr schämen oder schuldig fühlen. Sie können wieder aktiv werden, nach der Beratung gelingt es vielen, seit langer Zeit erstmals wieder eine Nacht durchzuschlafen. Das sind Erfolge, die uns am meisten freuen.

Von Anfang an war klar, dass diese Aufgabe nur von mehreren Beratern geleistet werden kann. Heute steht ein siebenköpfiges, multidisziplinäres Team von Juristen, Diplom-Kaufleuten und Sozialarbeitern bereit. Übrigens kann es auch für die Beratenden belastend sein, sich intensiv in diese Gespräche einzulassen. Sie müssen neben den fachlichen auch den emotionalen Anforderungen in diesen Telefonaten gerecht werden. Dafür sind sie psychologisch geschult und von Experten der Telefonseelsorge entsprechend trainiert worden.

Je früher, desto besser

Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Hilfe umso besser wirkt, je früher die Betroffenen sie in Anspruch nehmen, entwickelt die Schuldenhelpline ihr Konzept weiter: Da es die Gläubiger sind, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt von den finanziellen Problemen ihrer Schuldner erfahren, liegt es nahe, auch über diesen Weg auf unser Angebot aufmerksam zu machen. Konkret bedeutet dies, dass bestimmte Wohnungsgesellschaften, Krankenversicherungen oder Energieversorger fristlosen Vertragskündigungen einen Infoflyer von der Schuldenhelpline beilegen.

Der Ansatz zeigt bereits erfreuliche Erfolge: in 80 Prozent der von der Schuldenhelpline beratenen Fälle konnten anschließend die von den Unternehmen der Daseinsvorsorge ausgesprochenen Kündigungen wieder zurückgenommen werden. Da beide Seiten profitieren, haben wir die Hoffnung, dass die Gläubiger-Unternehmen mittelfristig auch einen finanziellen Beitrag zur Unterstützung unserer Beratung leisten werden.

Seit Gründung der Schuldenhelpline 2006 wäre es ohne den finanziellen Beitrag der TARGOBANK Stiftung nicht möglich gewesen, diese Beratungsleistung anzubieten. Wir sind sehr glücklich, dass sich die TARGOBANK Stiftung hier auch künftig engagieren wird.

Tappen Sie nicht in die Schuldenfalle

Tipps und Hilfe zur Selbsthilfe von den Experten der Schuldenhelpline
  1. 1. Glauben Sie nicht, sich alles sofort leisten zu können!

    Das Gehalt geht pünktlich aufs Konto ein – und trotzdem scheint es undenkbar, aus dem Dispo zu kommen? Wenn man seine finanzielle Situation derart „auf Kante genäht“ hat, wird es bei unvorhergesehenen Ereignissen schnell kritisch. Besser leben Sie mit einem finanziellen Puffer. Das geht aber nur, wenn man nicht jedem Kaufwunsch sofort nachgibt. Als Eltern tun Sie Ihren Kindern einen großen Gefallen, wenn Sie ihnen diese Haltung vorleben.

  2. 2. Stopfen Sie alte Löcher nicht mit neuen!

    Wer feststellt, dass es ihm schwerfällt, seine finanziellen Verpflichtungen wie Kredit- oder Leasingraten pünktlich zu zahlen, sollte nicht nach neuen Finanzierungsformen für seinen Konsum – Ratenkäufe oder weitere Darlehen – suchen, sondern auch einmal sein Konsumverhalten selbst auf den Prüfstand stellen. Gehen Sie eine neue Zahlungsverpflichtung erst ein, wenn Sie eine bestehende in ähnlicher Höhe komplett beglichen haben.

  3. 3. Verschaffen Sie sich einen ehrlichen Überblick!

    Welche laufenden Kosten habe ich eigentlich jeden Monat? Was muss bis wann bezahlt sein? Welche Zahlungen in der nächsten Zeit sind jetzt bereits schon abzusehen? Wer sich einen ehrlichen Überblick verschafft, hat bereits einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Situation geleistet. Nur so finden Sie heraus, was Sie sich dauerhaft leisten können – und was eher nicht.

  4. 4. Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand!

    Die Zahl der Mahnungen nimmt zu, eine Zahlungsfrist nach der anderen verstreicht: Wer sich lange Zeit passiv verhält, verschlimmert seine Situation. Reden Sie frühzeitig mit Ihren Gläubigern und holen Sie sich dazu gegebenenfalls Unterstützung. Gläubiger haben in der Regel ein offenes Ohr für pragmatische Lösungen – in ihrem eigenen Interesse.

Wissenswertes zum Umgang mit Krediten finden Sie in diesem Online-Ratgeber.