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Sechs Wochen Urlaub am Stück. Ein Traum! Die Münchener Vermögensberaterin Mariya Halapi fuhr aber nicht an den Strand, sondern wurde Nanny für 34 Kinder in Tansania.

Dezember 2014: Es ist warm in Arusha, Tansania. Um sieben Uhr morgens herrscht schon das totale Gewusel. Der zweijährige Gian und seine Freunde tapsen umher. Jeder möchte der erste sein und sich den besten Platz sichern. Auf ihrem Schoß, ihrem Arm, egal, Hauptsache bei Mariya. Die 37-jährige Vermögensberaterin liebt sie alle, besonders den kleinen Gian. Die Erfolgsfrau hat schon immer davon geträumt, Kindern in Not zu helfen.

2013 erzählte ihr eine Kundin von dem Waisenhaus in Arusha, für das sie arbeitet. Schnell steht für Mariya Halapi fest: Sie möchte dorthin und fortan Tabellen und Anlagestrategien gegen gelebte Nächstenliebe tauschen. Sie spricht mit ihrem Chef und nimmt mit Hilfe der Kundin Kontakt nach Tansania auf. Viele Formalitäten sind zu regeln, so vergeht fast ein Jahr, ehe sie ihre Koffer für Afrika packen kann.

6 Wochen Nanny im Waisenhaus: erschöpft, aber glücklich!

Zwei Wachmänner in Massai-Tracht begrüßen die Vermögensberaterin am Eingang des Waisenhauses. Mama Musa, die Leiterin der „Nannys“, nimmt sie herzlich in Empfang, zeigt ihr die Anlage und stellt Mariya den anderen Mitarbeitern und Bewohnern vor: 34 Jungen und Mädchen wohnen, toben und leben hier. Die Jüngsten sind keine vier Monate, die ältesten zweieinhalb Jahre alt. Ohne Scheu kommen die Kleinen auf Mariya zu. Sie schließen „die Neue“ schnell ins Herz. Für die nächsten sechs Wochen wird die Münchenerin für sie zur Ersatzmama. Sie füttert, wäscht, wechselt Windeln, spielt und schenkt Liebe – eine echte Herzensgelegenheit für die Vermögensberaterin.

Mariya Halapi im Waisenhaus von Arusha (Tansania) mit Waisenkind Gian

Die Kinder haben mein Leben bereichert

Das Waisenhaus ist eine Oase in der rauen Wirklichkeit Tansanias. Ein sechzehnjähriges Mädchen mit neun Fehlgeburten bekommt Zwillinge. Der Vater weiß nicht, was er machen soll. Er hat sechs weitere Kinder mit einer anderen Frau, alle zusammen leben sie in einer Lehmhütte. Damit die Zwillinge überleben, versorgt das Waisenhaus die Familie mit Lebensmitteln. Für Mariya Halapi ein prägendes Erlebnis:

Das war die schlimmste Erfahrung. Es ist ungerecht, dass Kinder unter so unterschiedlichen Bedingungen aufwachsen, je nachdem, wo sie geboren werden.
Regelmäßig schickt Mariya Halapi Fotos und Berichte nach Hause, an die Kollegen bei der Bank. Sie sammeln kurzerhand 500 Euro für das Waisenhaus. Sie ist gerührt.
Ich freue mich über die positiven Reaktionen meiner Kollegen und Kunden und bin froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Die Kinder haben mein Leben bereichert.

Deshalb steht für Mariya schon jetzt fest: Auch ihren nächsten Urlaub wird sie wieder in Arusha, Tansania verbringen. Bis dahin denkt sie an die Kleinen. Zum Beispiel an Gian, der abends schon ungeduldig darauf wartet, dass Mariya an sein Bettchen kommt und ihn zudeckt.