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Mirjam Dornauer (Jg. 1973) hat einfach ihre Koffer gepackt und ihre Heimat Deutschland hinter sich gelassen. Der Liebe wegen ist sie vor zehn Jahren nach Hämeenlinna im Süden von Finnland gezogen, wo sie auch heute noch lebt und glücklich ist. Klingt so, als wäre das die richtige Entscheidung gewesen. Wir haben Mirjam dazu befragt, wie sie diesen großen Schritt geschafft hat und welche Erfahrungen sie in ihrer Wahlheimat gemacht hat.

Fühlst du dich in Finnland richtig zu Hause?

Ja, besonders wenn ich in meinem Garten sitze – im Winter eingehüllt in eine warme Decke, im Sommer im Bikini. Hämeenlinna ist umgeben von schönen Wäldern, in denen es bald ganz viele Blaubeeren zu pflücken gibt, und liegt an einem großen See, dem Vanajavesi.

Apropos Jahreszeiten – wie war denn die klimatische Umstellung für dich?

Ganz toll. Ich freue mich jedes Jahr auf die kalte Jahreszeit. Minus 20 Grad sind für mich kein Problem. Es ist so schön, wenn es ganz dunkel und richtig kalt ist. Dann sieht es aus, als ob die Luft voller Diamanten wäre.

Wie kommst du mit der Sprache klar?

Ich verstehe sie recht gut, aber mit dem Sprechen hapert es noch. Das liegt wahrscheinlich an der Stimme in meinem Kopf, die mir immer sagt: Nicht gut genug! Und an der Freundlichkeit vieler Finnen, die sofort Englisch oder Deutsch reden, wenn sie hören, dass man noch Probleme mit ihrer Sprache hat.

Was macht denn das Finnische so schwierig im Vergleich zum Beispiel zum Englischen?

Es gibt keine Präpositionen. Alles wird mit Präfixen und Suffixen ausgedruckt. Es gibt 15 Kasusendungen! Auch die Aussprache ist schwierig. Da muss man sehr aufpassen, weil sich Wörter teilweise sehr ähnlich anhören, aber etwas völlig Gegensätzliches bedeuten können.

Was war für dich die größte Überraschung in Bezug auf Land und Leute?

Ich habe mich gewundert, wie sehr die Finnen manchmal an Traditionen festhalten. Aber sie sind sehr hilfsbereit und unter der nordischen Einsilbigkeit ist viel Humor und Wärme verborgen. Überrascht hat mich auch, wie wunderschön die Natur hier ist.

Bei Finnland fällt einem direkt das Stichwort „Sauna“ ein – spielt die Sauna wirklich eine so große Rolle?

Ja! Darauf sind die Finnen sehr stolz. Die ältere Generation geht zweimal die Woche immer zur selben Zeit in die Sauna. Bei unseren Nachbarn kann man seine Uhr danach stellen. Die Wochenendsauna ist bei den Jüngeren oft mit viel Alkohol verbunden.

Wenn du Finnland mit Deutschland vergleichst: Was sind die wesentlichen Unterschiede?

Oberflächlich betrachtet sind es nur die Sprache und die Euro-Münzen. Aber die Finnen halten sich mehr an Regeln und Gesetze als wir. Sie sind sehr stolz auf ihr Land und auf die Veteranen, die es gegen Russland verteidigt haben, und natürlich auf ihre Sprache (in der sich jetzt aber auch langsam immer mehr Anglizismen breitmachen).

Vermisst du Deutschland?

Immer sonntags – weil hier die Bäckereien nicht offen haben! Im Ernst: Manchmal vermisse ich nicht Deutschland, sondern meine Familie – mein Bruder, seine Frau und meine Neffen. Die deutsche Sprache geht mir nicht ab, weil ich hier ja mit vielen Deutsch reden kann.

War es schwierig, sich im „neuen Land“ zurechtzufinden?

Eigentlich nicht. Hier in Finnland wird man sehr unterstützt. In den USA ist man auf sich alleine gestellt.

Hattest du Angst vor diesem Schritt?

Nein. Ich sorge mich zwar immer darum, ob etwas gut genug ist, was ich gemacht habe. Aber so große Schritte mache ich mit Begeisterung!

Wie lange hast du davor überlegt?

Eine Weile, aber nicht lange. Was kann denn schon schiefgehen? Wenn ich dort nicht glücklich bin, ziehe ich halt woanders hin.

Was hat für dich dann den letzten Ausschlag gegeben?

Mein Freund Tapsa. Wir haben uns über eine Musikseite im Internet kennen gelernt. Wir haben dann viel geskyped und mir ist klar geworden, dass er mich mit all meinen Macken akzeptiert. Ich muss keine Rolle für ihn spielen, darf auch mal schwach oder schlecht gelaunt sein. Wenn ich seine Hilfe brauche, dann hilft er mir, ohne zu fragen (außer mit der Sprache, er spricht lieber Englisch mit mir). Außerdem hatte ich gleich einen Job in der Baufirma von Tapsas Cousin. Nach drei Monaten wurde ich von einer anderen Firma abgeworben, bei der ich heute noch arbeite.

Hast du schnell neue Freunde gefunden?

Ja. Man kann sie an einer Hand abzählen, aber mehr gute Freunde braucht es nicht. Doch ich habe viele Bekannte. Wenn wir in einem Mietshaus arbeiten, dann bin ich die erste, die von den alten Damen Selbstgebackenes serviert bekommt und dann beim Kaffeeklatsch die ganzen Geheimnisse der Mieter erfährt. Und das mit meinem Finglisch-Deutsch!

Du bist ja sogar zwei Mal ausgewandert: Erst einmal in die USA und später dann nach Finnland. Könntest du dir vorstellen, nach Deutschland zurückzuziehen oder noch ein drittes Mal in ein ganz anderes Land auszuwandern?

Nein, wegen Tapsa. Er hat viel Familie hier und es wäre ganz schlimm für seine Eltern und seine 12 Tanten und Onkel, wenn er wegginge. Ich habe ja auch eine enge Beziehung zu seiner Familie. Seine Schwester hat einmal gemeint, dass es Tapsas Mutter ganz schwer treffen würde, wenn ich nicht mehr mit ihm zusammen wäre, und dann vielleicht noch woanders hinziehen würde. Sie findet es ja schon schlimm, wenn ihre Tochter einmal über Weihnachten Urlaub in der Sonne macht. Außerdem haben wir hier doch unser Haus, den Garten und einen Kater. Und wir sind glücklich hier!

Aber mal ganz hypothetisch: Wenn es möglich wäre, welches Land würde dich dann reizen?

Mexiko!!! Aber nur wenn Tapsa, seine Eltern und der Kater mitkommen …

Stell dir vor, du triffst jemand, der gerade überlegt, ob er auswandern soll. Welchen Rat würdest du ihm geben?

Er oder sie sollte auf jeden Fall einen sicheren Job in Aussicht haben! Wenn ich mir vorstelle, ich wäre in einem fremden Land und auf jemand anderen finanziell angewiesen … Außerdem sollte man viel Optimismus mitbringen und die manchmal kafkaesken Episoden bei den Behörden mit Humor nehmen. Als Deutsche sollte man eine dicke Haut haben. In den USA begegnet man vielen Vorurteilen – positiven wie negativen. Hier in Finnland machen sie Witze, wenn Deutschland mal wieder gegen Finnland im Eishockey verliert. Aber da fragt man dann einfach, wie sich gerade das Fußball-Nationalteam so schlägt und dann ist Ruhe.