Die Sonne brennt vom Himmel. Temperaturen von über 40 Grad Celsius bereits am frühen Morgen machen die Arbeit extrem schweißtreibend. Grünhelm Max Werlein besucht die Baustelle einer Schule im Nordirak. Und natürlich packt er auch kräftig mit an. Ein unbedingter Wille ist bei allen vor Ort greifbar: Die Schule soll im September mit Beginn des neuen Schuljahrs eröffnet werden. Daran arbeiten nun die drei Grünhelme aus Deutschland gemeinsam mit ihren irakischen Kollegen und – zumindest für einige Tage – Max Werlein.

Das Team im Nordirak

Das Team im Nordirak

Der 34-Jährige ist neben seinem Job als Ingenieur ehrenamtlich für den Verein Grünhelme e.V. aktiv. Als Vorstandsmitglied und Projektleiter kümmert er sich gerade um den Neubau einer Schule für rund 450 Kinder im kleinen Örtchen Kani Sherin. Das Besondere an diesem Projekt: An der Schule im Distrikt Zumar sollen bald sowohl kurdisch als auch arabisch sprechende Kinder und Jugendliche gemeinsam unterrichtet werden. Der Bau geht gut voran, trotz etlicher Herausforderungen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation in der Region. Dazu zählt zum Beispiel die Materialbeschaffung, denn das Dorf liegt in einem Gebiet, das zeitweise durch IS-Kämpfer besetzt war. Checkpoints, an denen kontrolliert wird, wer welche Materialien in das Gebiet bringen möchte, sind an der Tagesordnung. Das verursacht Probleme beim Transport, beim Kauf von Materialien und führt letztlich auch zu Verzögerungen des Bauprozesses. Durch den engagierten Einsatz des Teams aus Grünhelmen und Einheimischen steht der Eröffnung der Schule im September aber kaum noch etwas im Weg.

Grünhelme e.V. arbeitet mit Freiwilligen

Das Team bei der Arbeit auf der Baustelle

Das Team bei der Arbeit auf der Baustelle

Der Schulbau im Nordirak ist nicht das erste Projekt, das Max Werlein für die Grünhelme betreut. Er ist bereits seit 2009 im Verein aktiv. Sein erster Einsatz führte ihn damals in die Demokratische Republik Kongo.

„Meine Eltern lernten sich Uganda kennen, als sie für Cap Anamur tätig waren. Daher bin ich teilweise in Afrika aufgewachsen. Mit Afrika und den Menschen dort verbinde ich also sehr viel“, erzählt Max Werlein.

Schon als Jugendlicher kam Max Werlein mit den Themen Armut, unterschiedliche Lebensstandards und Entwicklungszusammenarbeit in Berührung. Dies prägte ihn so sehr, dass er sich nach seinem Studium bei den Grünhelmen bewarb. „Ich wollte etwas tun, und zwar ehrenamtlich. Das kann ich dort am besten umsetzen.“

Besonders beeindruckt ihn bei den Grünhelmen, dass die Arbeit mit Freiwilligen durchgeführt wird. Die Grünhelme lassen ihre Jobs in Deutschland für drei Monate ruhen und werden in den Projekten des Vereins eingesetzt. Dort arbeiten sie mit den Einheimischen zusammen, um Gebäude wieder aufzubauen. Dabei arbeitet der Verein ausschließlich mit Spenden, staatliche Projektmittel sind tabu. Das garantiert die Unabhängigkeit des Vereins. Sobald die Grünhelme merken, dass die Einheimischen wieder in der Lage sind, den Wiederaufbau ohne Hilfe voranzutreiben, ziehen sie sich zurück. Die Projektmitarbeiter unterstützen auf diese Weise wertvolle Eigeninitiative.

Einheimische und Helfer lernen viel voneinander

Max Werlein im Nordirak

Max Werlein im Nordirak

Für Max Werlein ist bei seinen Projekten der Grünhelme auch das Zusammenleben vor Ort ein wichtiger Punkt. „Es ist eine tolle Erfahrung für uns Helfer, in den Dörfern zu leben, in denen wir arbeiten. Sowohl die Einheimischen als auch wir lernen dabei sehr viel voneinander. Und vor allem begegnen wir uns auf Augenhöhe, werden ein Teil der Gemeinschaft vor Ort.“

Dieses Vorgehen erhöht auch die Identifikation der Bewohner mit dem Projekt. Das ist den Helfern sehr wichtig, denn die Dorfgemeinschaft muss nach Fertigstellung mit den Gebäuden leben. Alle Projekte der Grünhelme zeichnet zudem aus, dass Menschen gleich welcher Hautfarbe oder Religion zusammenarbeiten, um die Lage für die Einwohner der Regionen zu verbessern.

„Auch wenn es vor Ort immer wieder unerwartete Herausforderungen gibt, die Freude der Menschen über unsere Hilfseinsätze motiviert mich sehr. Das gemeinsame Arbeiten und Leben vor Ort, die Begeisterung der Einheimischen und ihre Dankbarkeit treiben mich an.“

Das Engagement der Grünhelme beeindruckte auch den Mitarbeiterverein der TARGOBANK, Wundertaler e.V. Daher spendete der Verein jetzt 2.000 Euro für den Wiederaufbau der Schule im Nordirak. „Es ist uns ein Anliegen, die Situation in dieser von Krieg und Auseinandersetzungen gekennzeichneten Region zu verbessern. Nachhaltigkeit ist für uns sehr wichtig, und was könnte nachhaltiger sein, als Bildung durch den Wiederaufbau der Schule zu unterstützen.“, sagte Christian Brackelmanns, Vorsitzender von Wundertaler e.V.

Über Grünhelme e.V.

Rupert Neudeck (re.), Günder der Grünhelme mit Max Werlein

Rupert Neudeck (re.), Günder der Grünhelme mit Max Werlein

Der Journalist und Theologe Rupert Neudeck, der im Mai 2016 nach einer Herzoperation starb, gründete 1979 mit seiner Frau Christel das deutsche Notärzte-Komitee „Cap Anamur“. Seine Hilfsschiffe retteten in den folgenden Jahren bis 1986 fast 11.500 Flüchtlinge aus dem süd-chinesischem Meer. Krankenhäuser in Vietnam, Ambulanzen in Kolumbien und Äthiopien, Hospitäler in Nordirak und Tschetschenien – heute sind Komitee-Mitarbeiter weltweit im Einsatz. 1998 übergab Rupert Neudeck den Vorsitz des Komitees. Doch zur Ruhe setzte er sich nicht. Mit der Gründung des Vereins Grünhelme e.V. gemeinsam mit Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralsrats der Muslime) im Jahr 2003 fand sein soziales Engagement eine neue Aufgabe.