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Diebe, falsche Polizisten oder vermeintliche Enkel – in der dunklen Jahreszeit sind sie vermehrt unterwegs. Opfer sind vor allem ältere Menschen. Dirk Böck und Ulrich Luckas von der Betrugsabteilung der TARGOBANK geben Tipps, wie man sich vor Betrugsmaschen schützen kann.

Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit werden Seniorinnen und Senioren immer wieder Opfer von Betrügern und Einbrechern. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sich die Täter in der Dunkelheit sicherer fühlen, in der Vorweihnachtszeit steigt bei vielen potenziellen Opfern auch die Bereitschaft, Gelder zu spenden oder Geschenke zu verteilen. Mitunter sind die finanziellen Schäden so gravierend, dass sie die Existenz gefährden. „Alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen sind hier besonders gefährdet“, sagt Dirk Böck, Abteilungsmanager Zentrale Vertriebskontrollen und Betrugsabteilung bei der TARGOBANK. Seine Abteilung ist in der Bank nicht nur für die Aufklärung von Verbrechen, sondern auch für die Prävention zuständig.

Die Maschen der Betrüger
  1. 1. Diebstahl am Geldautomaten

    Vorsicht ist bereits bei alltäglichen Dingen wie dem Geldabheben am Automaten geboten. Wer die Möglichkeit hat, sollte zum Schalter in der Bankfiliale gehen. Besteht diese Option nicht, ist es sinnvoll, Automaten aufzusuchen, die sich im Foyer einer Filiale befinden. „Diese sind durch Kameras im Raum und am Geldautomaten abgesichert“, sagt Ulrich Luckas, Sachbearbeiter Fraud in der Betrugsabteilung der TARGOBANK. Trotzdem rät er, sich vorher ein Bild von der Situation zu machen und im Zweifel einen anderen Automaten aufzusuchen.

    Die Geldautomaten der TARGOBANK sind aus Sicherheitsgründen allesamt in den Foyers der Filialen untergebracht. Suchen Kunden allerdings andere Automaten auf, die außen angebracht sind, sollten sie doppelt wachsam sein. Diese sind in der Regel nicht überwacht und deshalb ein beliebtes Ziel für Diebe. Gerade ältere Menschen werden dort oft bedrängt und beklaut: Kaum haben die Kunden ihre Karte in den Automaten gesteckt und die Geheimzahl eingegeben, kann es passieren, dass sie zur Seite geschubst und festgehalten werden, während die Komplizen einen Wunsch-Betrag abheben. Je nach Deckung, Kreditlinie oder Cash-Limit können es schnell mehrere Tausend Euro sein. „Die TARGOBANK versucht dem nicht nur durch die innen liegenden Automaten entgegenzusteuern, bei uns geben die Kunden zuerst den Betrag und dann die PIN ein. Für Betrüger sind die Geldsummen dann oft nicht hoch genug“, sagt Luckas.

    Wer Bargeld abholt, sollte zudem überlegen, wie viel er benötigt. Am besten hebt man nur die Summen ab, die man für den nächsten Einkauf oder andere zeitnahe Ausgaben benötigt. „So hat man auch möglichst wenig Bargeld zu Hause“, sagt Dirk Böck. Größere Summen gehören in einen Safe. Denn: Auch gut gesicherte Wohnungen und Häuser sind nicht zu hundert Prozent geschützt. Wer Einbrecher nicht unbedingt einladen möchte, der sollte zumindest Fenster, Balkon- und Terrassentüren schließen – auch dann, wenn er Haus oder Wohnung nur kurz verlässt. Auch gekippte Fenster sind offene Fenster und führen oft dazu, dass nicht nur Einbrecher leichtes Spiel haben, sondern auch der Versicherungsschutz verloren geht.

  2. 2. Enkeltrick und falsche Polizisten

    Doch nicht nur Einbrüche oder Überfälle sind eine Bedrohung. Betrüger und Diebe entwickeln immer neue Methoden, um an fremdes Geld zu kommen. Den sogenannten Enkeltrick nutzen Trickbetrüger, um sich gegenüber älteren oder hilflosen Personen als deren Verwandte auszugeben. Die Täter rufen ihre potenziellen Opfer an und bitten um Geld. Im Anschluss vereinbaren sie ein Treffen, um es abzuholen. Teilweise werden die Opfer auch dazu gedrängt, die gewünschte Summe nicht bar auszuzahlen, sondern sie auf ein Konto, häufig im Ausland, zu überweisen. „Wenn die Überweisungen ins Ausland gehen, ist das Geld in der Regel weg. Um es zurückbuchen zu lassen, muss der Empfänger dem zustimmen“, sagt Ulrich Luckas. Das sei nahezu aussichtslos.

    Die Auswahl der potenziellen Opfer verläuft meist über das Telefonbuch. Dabei werden Vornamen ausgewählt, die auf einen deutlich älteren Jahrgang schließen lassen. „Dadurch existiert eine höhere Chance, alleinstehende Senioren zu erreichen“, so Luckas. Gründe für die angebliche Geldnot sind meistens Umstände wie Schwangerschaft, überfällige Rechnungen oder der Kauf eines Autos. In der Regel werden die Telefonate mit einer Frage wie „Rate mal, wer gerade anruft“ eröffnet. Dadurch ist es den Betrügern möglich, einen Namen aus der Verwandtschaft des Opfers zu erfahren.
    Da der Enkeltrick mittlerweile bekannt ist und immer seltener funktioniert, haben Betrüger eine neue Masche entwickelt: Sie geben sich als falsche Polizisten aus. Im Telefondisplay der Opfer erscheint dabei eine gefälschte Vorwahl zusammen mit der Notrufnummer 110. Die falschen Polizisten behaupten, dass es in der Umgebung zuletzt vermehrt Einbrüche gegeben habe, daher sollten die Angerufenen ihre Bargeld- und Schmuckbestände überprüfen und von einem Kriminalbeamten abholen lassen. Bei solchen Anrufen ist Vorsicht geboten: Im Zweifel sollte man bei der örtlichen Polizeiwache anrufen und den Sachverhalt schildern.

     

  3. 3. Kredit- und Scheckabzocke

    Auch Mails mit Kreditangeboten, bei denen die Kreditnehmer in Vorkasse gehen sollen, sind eine beliebte Masche, um Senioren abzuzocken: Der Betrüger kontaktiert sein Opfer und bietet ihm beispielsweise einen besonders günstigen Kredit an. Um diesen tatsächlich zu bekommen, müsse der Kreditnehmer aber zunächst eine Gebühr überweisen – und dann noch eine. „In einem uns bekannten Fall hat ein Opfer insgesamt 54 Überweisungen getätigt, ehe es den versprochenen Betrag erhalten hat“, sagt Dirk Böck. Dabei haben die Überweisungen die ursprüngliche Kreditsumme von 8.000 Euro um ein vielfaches übertroffen. Angebote dieser Art sollten Sie grundsätzlich meiden, denn: Seriöse Kreditgeber verlangen niemals eine Vorauszahlung.

    Lesen Sie auch unseren Artikel zu einer ähnlichen Betrugsmasche: dem Scheck-Trick beim Auto(ver)kauf.

Bankdetektive stellen regelmäßig Betrüger: ein Fallbeispiel

Die Betrugsabteilung der TARGOBANK unter der Leitung von Dirk Böck ist unter anderem verantwortlich für die Überwachung von verdächtigen Transaktionen.

Dirk Böck, Abteilungsmanager Zentrale Vertriebskontrollen und Betrugsabteilung bei der TARGOBANK

Die Betrugsabteilung der TARGOBANK unter der Leitung von Dirk Böck ist unter anderem verantwortlich für die Überwachung von verdächtigen Transaktionen. Gleichzeitig ist sie zentrale Anlaufstelle für alle Mitarbeiter, die jegliche Art von Betrugsversuchen identifizieren. „Anfang November 2017 haben wir die Information von einer TARGOBANK Filiale bekommen, dass ein ‚Generalbevollmächtigter‘ von dem Konto einer 80-jährigen Seniorin 120.000 Euro abholen möchte“, sagt Ulrich Luckas. Auf dem Konto befand sich ein Guthaben von insgesamt 500.000 Euro. Interne Recherchen haben ergeben, dass die „Generalvollmacht“ vor Kurzem bei einem Notar eingerichtet wurde. Die Betrugsabteilung hat sofort Kontakt mit dem Betrugsdezernat der Polizei aufgenommen. Dort war der „Generalbevollmächtigte“ bereits bekannt – er war ein Betrüger.

Die Betrugsabteilung der TARGOBANK ist unter anderem verantwortlich für die Überwachung von verdächtigen Transaktionen.

Ulrich Luckas, Sachbearbeiter Fraud in der Betrugsabteilung der TARGOBANK

Für die Auszahlung der 120.000 Euro wurde ein Termin in der Filiale vereinbart, zu dem die Polizei mit drei Beamten vor Ort war. Sobald der Verdächtige in der Filiale erschien, wurde er festgenommen. „Bei der Vernehmung hat er gestanden, sich das Vertrauen der Seniorin erschlichen zu haben“, so Luckas. Mit dem Geld habe er sich selbständig machen wollen.

Der Täter ist Taxifahrer und hat die Seniorin bei einer Taxifahrt kennengelernt. Durch weitere persönliche Kontakte konnte er in Erfahrung bringen, dass sie sehr vermögend war. Ihr Mann ist kürzlich verstorben und hat das Geld hinterlassen.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, mit welchen Tricks Betrüger arbeiten und wie alleinstehende und hilflose Seniorinnen und Senioren darauf reinfallen. „Wir können nur daran appellieren, möglichst aufmerksam zu sein und nicht leichtsinnig mit persönlichen Daten und Informationen umzugehen“, sagt Dirk Böck.