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In einigen Teilen der Welt verdrängen die digitalen Bezahlmöglichkeiten das Bargeld. Können wir tatsächlich auf Scheine und Münzen verzichten oder brauchen wir sie weiterhin?

Zeigt sich die Zukunft des Zahlens gerade in Skandinavien? In Schweden wird heute schon fast ausschließlich elektronisch bezahlt – per Internet, Mobiltelefon oder Kreditkarte. In immer mehr Geschäften und Restaurants finden sich Schilder, dass Bargeld nicht akzeptiert wird. Sind Scheine und Münzen in einigen Jahren in Schweden komplett verschwunden?

Auch in Deutschland nehmen die Möglichkeiten, Nutzung und Akzeptanz bargeldloser Zahlungen zu. In ihrem Bericht zum Zahlungsverhalten in Deutschland 2017 hat die Bundesbank festgestellt, dass Debitkarte, Kreditkarten und auch kontaktlose Kartenzahlungen immer häufiger zum Einsatz kommen. Mit 48 Prozent liegt der Anteil des Bargelds am Umsatz im Handel erstmals unter der 50-Prozent-Marke. Allerdings erfolgen immer noch 74 Prozent aller Transaktionen mit Scheinen und Münzen. Die Beobachtung der Bundesbank: „Die Zahlungsgewohnheiten ändern sich nur langsam. Abrupte Veränderungen sind derzeit nicht zu erwarten.“

So gehen viele Experten davon aus, dass das zweigleisige System von Bargeld und bargeldlosem Zahlen noch sehr lange Zeit Bestand haben wird. Zu erwarten ist allerdings, dass das bargeldlose Zahlen noch viel stärker in den Vordergrund rücken wird – sowohl was die Anzahl der Bezahlvorgänge als auch das damit bewegte finanzielle Volumen betrifft.

Gleichzeitig sind Bestrebungen zu beobachten, das Zahlen mit Bargeld mit gewissen Limits zu versehen. So stellt die Europäische Zentralbank Ende 2018 die Ausgabe des 500-Euro-Scheins ein. Und das Bundesfinanzministerium will mit einem Gutachten klären, ob eine Obergrenze für Barzahlungen sinnvoll wäre – wie es in 15 europäischen Ländern bereits geltendes Recht ist.

Geht’s auch ohne Bargeld? Pro und Contra
  1. 1. Ausgabenkontrolle

    Laut Bundesbank-Umfrage ist für die meisten Barzahler die bessere Übersicht über ihre Finanzen der Hauptgrund, vorwiegend Scheine und Münzen zu nutzen. Nur Gewohnheitssache – oder ist der Mensch tatsächlich so gestrickt, dass er mehr ausgibt, wenn er das Geld nicht fühlen kann?

    Doch auch umgekehrt wird argumentiert: Gerade das digitale Zahlen erlaubt im Smartphone-Zeitalter mit praktischen Banking-Apps den vollständigen Überblick über die eigenen Finanzen in Echtzeit!

  2. 2. Handhabung und Flexibilität

    Wer mit Karte oder Mobiltelefon zahlt, schätzt besonders die einfache Handhabung dieser Bezahlmethode. So muss man sich nicht darum kümmern, ob stets genug Scheine in der Geldbörse stecken. Und nicht immer ist ein Geldautomat in der Nähe, wenn man ihn besonders dringend braucht – ein Pluspunkt für bargeldloses Zahlen.

    Freunde des Bargelds hingegen fragen sich, wie sie zahlen, wenn das mobile Endgerät oder ein Kassensystem defekt ist – und Bargeld keine Ausweichmöglichkeit mehr ist.

  3. 3. Schnelligkeit

    Dass „ihre“ Art zu zahlen die schnellere sei, behaupten interessanterweise beide Parteien. Und je nachdem, ob man hinter einem Kunden an der Kasse steht, der sehr umständlich seine PIN eingibt oder die Kassiererin erst eine neue Rolle Ein-Cent-Münzen besorgen muss, um das Wechselgeld herauszugeben, kann an beiden Sichtweisen etwas Wahres dran sein. Richtig flott wird das Zahlen aber mit Sicherheit, wenn sich kontaktloses Bezahlen im großen Stil durchgesetzt hat.

  4. 4. Sicherheit und Kriminalität

    Die weitgehende Abschaffung von Bargeld wäre ein wirksames Mittel gegen Falschgeld, Raubüberfälle, Geldwäsche und Steuerhinterziehung, einschließlich Schwarzarbeit. Auch andere illegale Beschäftigungsverhältnisse wären ohne Bargeld viel schwieriger aufrecht zu erhalten. So lauten die starken Argumente der Bargeld-Kritiker.

    Die Befürworter sagen: Banknoten können zwar nicht mehr geraubt werden, doch wie sieht es aus mit Cyber-Kriminellen, die Konten und Zahlungen manipulieren könnten? Fans des bargeldlosen Bezahlens sagen dazu: Wenn man sich an einige Sicherheitsprinzipien hält, ist auch elektronisches Bezahlen sicher.

  5. 5. Anonymität des Bezahlens

    Tatsächlich lassen sich die Transaktionen bei bargeldloser Zahlung in der Regel zurückverfolgen. Um gegen verschiedenste Formen von Betrug vorzugehen (siehe Sicherheit und Kriminalität), ist dies ja auch durchaus gewollt.

    Doch es gibt auch den berechtigten Wunsch, diese Transparenz nicht allzu sehr auszudehnen. Den Kaufpreis eines bar gezahlten Geburtstagsgeschenks erfährt der Ehepartner nicht so ohne weiteres. Das ist anders, wenn es nur die Möglichkeit gibt, den Betrag vom gemeinsamen Konto abbuchen zu lassen.

  6. 6. Finanzielle Bildung

    Für Kinder ist die Gewöhnung an „richtiges“ Geld, das man anfassen, stapeln, in einer Geldbörse oder Spardose aufbewahren kann, eine Abstraktionsleistung. Diesen Schritt zu überspringen und gleich mit dem digitalen Geld zu starten, könnte es noch schwieriger für Kinder machen, den vernünftigen Umgang mit Geld zu erlernen.

    Umgekehrt lässt sich sagen, dass die frühe Gewöhnung an elektronische Bezahlformen Kindern auch helfen kann, einen besseren, vollständigen Überblick über ihre „Reichtümer“ zu entwickeln.

Wie geht’s weiter?

Langfristig dürfte uns das Bargeld erhalten bleiben, vor allem für kleine Beträge und für Gelegenheiten, in denen eine spontane oder anonyme Möglichkeit des Bezahlens gewünscht ist. Die Deutsche Bundesbank hält die vollständige Abschaffung von Münzen und Scheinen derzeit für eine rein theoretische Diskussion. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich dazu sehr klar geäußert: „Wir wollen Ihnen nicht vorschreiben, ob Sie bar, per Karte, mit dem Smartphone oder per Überweisung bezahlen. Solange Sie Bargeld verwenden möchten, soll auch die Geschichte des Bargelds weitergeschrieben werden.“