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Bargeld war schon immer da – scheinbar. Zumindest können wir uns ein Leben ohne Münzen und Scheine kaum vorstellen. Wir werfen einen Blick in die wechselvolle, knapp dreitausend Jahre alte Geschichte des Bargelds.

Gehandelt wird, seit Menschen in kleinen oder größeren Gruppen zusammen leben. Egal ob Muscheln, Tulpen oder Tee – lange bevor das Bargeld in Form von Münzen und später Scheinen als Währung die Welt eroberte, dienten praktische Wertgegenstände als Äquivalent im Zahlungsverkehr. Und das ist zum Teil noch heute so: In Afrika werden Schnecken und Muscheln getauscht und im Südpazifik Ringe und Schmuck. In Mikronesien zahlte man lange Zeit mit Steinen, in Nordamerika mit Pelzen. Auch Pfeilspitzen, Reis und Salz waren als Tauschmittel geschätzt. In Tibet wurde sogar noch bis 1950 mit Gerste oder Weizen bezahlt.

Die ersten Münzen wurden erst im 7. Jahrhundert. v. Chr. in Lydien, auf dem Gebiet der heutigen Türkei, hergestellt. Der letzte Herrscher Lydiens war König Krösus, Namensgeber und Vorbild für zahlreiche Menschen. Bei den Lydern dauerte es von den ersten Prägungen bis zu einem einheitlichen Standard mehrere Jahrzehnte. Erst als bemerkt wurde, dass die ursprünglichen Münzen sehr leicht nachgemacht werden konnten, wurden sie mit einem Bild als Siegel staatlicher Autorität versehen. Dies markierte zugleich die Entstehung des Münzrechts.

Erste einheitliche Währung

Durch die Feldzüge Alexanders des Großen gegen die Perser Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurden Münzen auch in den Kulturraum der Hellenen exportiert und es entstand mit der antiken Drachme auch dort eine einheitliche Währung. Die Drachme war aufwendig geprägt und zeigte entweder Götterbilder oder Tiermotive. Im Zeitalter der römischen Hochkultur hatte die Münzgeschichte ihren nächsten Höhepunkt, der insbesondere mit dem Namen von Kaiser Augustus verknüpft war. Es wurden Münzen geprägt, auf deren Vorderseite die Abbilder der herrschenden römischen Kaiser zu sehen waren und deren Rückseiten in der Regel römische Gottheiten zierten.

Nachdem das römische Reich im 6. Jahrhundert auseinander brach, setzte sich in Europa die Tauschwirtschaft durch. Aufgrund der Vielstaaterei entstanden im frühen Mittelalter etliche verschiedene Münzen und Währungen wie Groschen, Taler, Kreuzer, Schilling, Heller und Gulden. Die erste große Währung war der aus Florenz stammende Goldgulden und die erste weltweit bekannte Handelsmünze war schließlich die Golddukate, die im 13. Jahrhundert in Venedig geprägt wurde und vor allem in den folgenden zwei Jahrhunderten global verbreitet war.

Papiergeld wird in China eingeführt

Parallel dazu wurde im 11. Jahrhundert in China das Papiergeld eingeführt. Doch schon Ende des 14. Jahrhundert schafften die Chinesen das gedruckte Geld wieder ab, nachdem einerseits versucht wurde, die leeren Staatskassen durch inflationäre Ausgabe neuer Geldscheine zu vertuschen, andererseits etliche Leute die Scheine nachdruckten. Wer erwischt wurde, dem drohte eine Anklage als Kapitalverbrecher.

Das erste Papiergeld in Europa wurde 1483 in Spanien als vorübergehender Ersatz für die knapper gewordenen Münzen ausgegeben. Das Intermezzo dauerte allerdings nur wenige Jahre. Im Jahr 1661 gab schließlich die Stockholmer Bank offizielle Banknoten heraus. Ein Grund: Die Herstellungskosten waren wesentlich geringer als der Wert der Münzen, die man dafür kaufen konnte. Ähnliche Überlegungen brachte im Jahr 1694 auch die kurz zuvor gegründete „Bank Of England“ dazu, erstmals Banknoten auszugeben. Diese waren durch ein Staats-Darlehen in Höhe von 1,2 Millionen Pfund gedeckt.

Das Vertrauen in Papiergeld schwankte in der Folge allerdings. Nach der Französischen Revolution stand auf diskreditierende Äußerungen über die von der Revolutionsregierung ausgegebene Papierwährung sogar die Todesstrafe. In Deutschland wurde das Papiergeld neben dem Münzgeld erst ab dem 19. Jahrhundert flächendeckend akzeptiert.

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Tulpe als Spekulationsobjekt

Im Laufe der Geschichte tauchten immer wieder Ersatzwährungen aus. Berühmtestes Beispiel hierfür ist die Tulpe, die sich in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden zum Spekulationsobjekt entwickelte. Durch die Beliebtheit der charakteristischen Blume gerade zur Zeit der Entstehung des Aktienhandels, schienen ausgerechnet Tulpenzwiebeln mit ihren immer steigenden Preisen ein sicheres und lukratives Investitionsobjekt zu sein.

Jeder wollte damit spekulieren, so dass sich zwischen November 1636 und Januar 1637 der Preis von manchen Tulpensorten mehr als verzehnfachte. Zum Höhepunkt der Fieberkurve wurden rare Tulpenzwiebeln gegen Grachtenhäuser in Amsterdams bester Lage getauscht. Im Jahr 1637 brach in den Niederlanden der Markt für Tulpen drastisch ein.

Inflation machte auch dem Bargeld zu schaffen. Der sorglose Umgang mit der Notenpresse sorgte zu allen Zeiten für extreme Kurseinbrüche. 1923 wurden in Deutschland Kredite auf Basis von Roggen und Kilowattstunden abgeschlossen – eine Reichsmark war damals gerade noch ein Billionstel Dollar wert. Auch nach 1945 gab es bis zur Währungsreform andere Tauschmittel, wie etwa Zigaretten.

Aktuell wird die Abschaffung des Bargelds stark diskutiert. Prominente Befürworter sind der ehemalige Chef-Ökonom des IWF, Kenneth Rogoff oder der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Allerdings sollen an dessen Stelle keine Tulpenzwiebeln oder Muscheln treten, sondern Computer, Tablet oder Smartphone.