© lovelyday12 - Adobe Stock

Wüssten Sie auf Anhieb, wer von 1998 bis 2002 Bundesarbeitsminister war? Klingt wie eine ziemlich knifflige Frage aus einer Quizshow. Dabei ist der Name durch ein Fördermodell für die private Altersvorsorge seit vielen Jahren in aller Munde. Die Rede ist natürlich von Walter Riester – und der von ihm konziperten Riester-Rente.

Die Älteren werden mehr, die Jüngeren eher weniger. Wegen dieser Entwicklung hat die heute erwerbstätige Generation mit Abschlägen in der gesetzlichen Altersvorsorge zu rechnen. Die nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester benannte staatlich geförderte Riester-Rente zielt darauf, diese Einbußen möglichst auszugleichen.

Berechtigt für diese Anlageform sind grundsätzlich alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Ebenfalls förderfähig sind – auch ohne GRV-Mitgliedschaft – Beamte, Abgeordnete, Richter und Soldaten. Interessant ist die Riester-Rente, weil ihr Wert über die Jahre nicht nur durch die Verzinsung der eingezahlten Beiträge wächst, sondern vor allem, weil es staatliche Zulagen dafür gibt. Besonders für Versicherte mit Kindern ist das interessant. Während die jährliche Grundförderung für erwachsene Versicherte 175 Euro beträgt, genießt man für jedes nach 2008 geborene Kind eine Zulage von 300 Euro, bei älteren Kindern sind es immerhin 185 Euro pro Jahr. Voraussetzung ist, dass man Anspruch auf Kindergeld hat.

Aber es gibt noch andere geldwerte Vorteile: „Die Beiträge für die Riester-Verträge können bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden. Wer eine hohe Steuerlast hat, profitiert davon ganz besonders“, meint Stefan Mecklenburg, Bereichsleiter Versicherungen bei der TARGOBANK.

Wie sehr sich das lohnt, hängt auch von der Höhe des gewählten Beitrags ab, der in das Riester-Produkt fließt. Mindestens 4 Prozent des Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr müssen es sein, damit die Zulagen in voller Höhe genossen werden können. Allerdings werden die Zulagen in diese 4 Prozent mit eingerechnet. Der Sockelbeitrag, um überhaupt in den Genuss der staatlichen Riester-Förderung zu kommen, beträgt 5 Euro pro Monat bzw. 60 Euro pro Jahr. Auch nach oben sind die förderungswürdigen Beiträge gedeckelt: Maximal 2.100 Euro können jährlich in einen Riester-Vertrag eingezahlt werden. Die persönliche Förderquote und den Steuervorteil kann man sich auf der Internetseite des Bundesverbands Investment berechnen lassen.

Entscheidend für den Riester-Vertrag ist, dass er optimal zur Lebenssituation, den familiären Verhältnissen und der Erwerbsbiografie passen sollte. Zum Finden des richtigen Modells kommt es auf eine gute, individuelle Beratung an. Wer von Beginn an ein passendes Riester-Produkt für sich gefunden hat, schafft sich damit finanzielle Bewegungsfreiheit in der Zukunft.

Doch Vorsicht: Wenn man irgendwann das Recht auf Förderung verliert – etwa durch Aufnahme einer Selbständigkeit – oder mit der Zeit feststellt, dass sich das Riester-Produkt nicht so entwickelt wie erwartet, sollte man den Vertrag beitragsfrei stellen und nicht voreilig kündigen. Denn sonst müssten die bisher erhaltenen Zulagen zurückgezahlt werden – und hieraus resultiert meist ein Minus-Geschäft.

Nichtsdestotrotz spricht ein weiteres Argument dafür, früh mit dem Riestern zu beginnen: Bei längeren Laufzeiten kommen nämlich mehr Produktarten in Betracht. Neben der klassischen Versicherung zum Beispiel auch Wohn-Riester und die finanziell attraktiven Fondsparpläne. Bei diesen Riester-Verträgen fließt das Kapital zum großen Teil in Aktien. Aktienfonds und ETFs bedeuten in Zeiten niedriger Zinsen gute Rendite-Chancen, bergen aber auch die Gefahr von Rückschlägen bei fallenden Kursen. Ein früher Einstieg ist deshalb so wichtig, weil sich vorübergehende Einbußen erfahrungsgemäß langfristig ausgleichen lassen, so dass über die Jahre ein deutliches Plus bleibt.