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Ruhestand bedeutet für viele Menschen, endlich Zeit für all die Dinge zu haben, zu denen sie bisher nie gekommen sind. Vorausgesetzt, der finanzielle Rahmen erlaubt es. Mit der Flexi-Rente erhalten Versicherte ab diesem Jahr mehr Gestaltungsspielraum.

Ziel der 2017 in Kraft getretenen Flexi-Rente ist es, „den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand zukünftig flexibler zu gestalten“, erläutert die Deutsche Rentenversicherung. Gleichzeitig solle sie „die Attraktivität für ein Weiterarbeiten über die reguläre Altersgrenze hinaus erhöhen.“ Arbeitnehmer, die früher in Rente gehen wollen, ohne Einbußen hinnehmen zu müssen – oder die ihre späteren Renteneinkünfte erhöhen möchten – haben mit der Flexi-Rente einige Stellschrauben, an denen sie drehen können.

 

Möglichkeiten mit der Flexi-Rente
  1. 1. Früher in Rente gehen – und Abschläge ausgleichen

    Wer bereits vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Rente in Anspruch nehmen möchte, muss mit Abschlägen von 0,3 Prozent für jeden Monat rechnen, den man früher in Rente geht. Die Abschläge lassen sich aber durch Sonderzahlungen abwenden. Bisher ging das erst ab 55 Jahren, mit der Flexi-Rente sinkt die Grenze auf 50 Jahre. Wie hoch der Ausgleich sein muss, um Abschläge zu verhindern, berechnet die Deutsche Rentenversicherung individuell auf Antrag eines Versicherten. Die Sonderzahlungen können indirekt aber auch zum Erhöhen der Rente genutzt werden. Denn eine einmal geleistete Ausgleichszahlung wird von der Deutschen Rentenversicherung nicht erstattet. Verzichtet ein Arbeitnehmer auf den beantragten früheren Renteneintritt – und arbeitet bis zur Regelaltersgrenze weiter, führt dies zu einem höheren Rentenanspruch.

  2. 2. Renteneintritt verschieben und länger arbeiten

    Wer die Rente nicht sofort mit Erreichen der Regelaltersgrenze in Anspruch nimmt, erhöht seinen späteren Rentenanspruch um 0,5 Prozent pro Monat – also um sechs Prozent pro Jahr. Zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in dieser Zeit – freiwillig – weiter Beiträge zur Rentenversicherung, erhöht dies die spätere Rente zusätzlich. Ein Versicherter mit einem Rentenanspruch von 1.145 Euro Brutto würde laut einer Beispielrechnung der Deutschen Rentenversicherung seine Rente durch ein weiteres Berufsjahr allein aufgrund der zusätzlich gezahlten Beiträge um rund 29 Euro erhöhen. Dazu kommen noch die sechs Prozent für den um ein Jahr verschobenen Rentenbeginn. Daraus ergibt sich eine Rente von rund 1.245 Euro – also 100 Euro mehr im Vergleich zum regulären Rentenbeginn.

  3. 3. Rente beziehen – und parallel dazu einen Nebenjob ausüben

    Entscheidet man sich mit 63 oder zur jeweiligen Regelaltersgrenze für einen Eintritt in die Rente, kann man seine Einkünfte durch einen Nebenjob aufstocken. Wie der zusätzliche Verdienst auf die bezogene Rente anzurechnen ist, war bisher von mehreren Faktoren abhängig. Zudem war die Anrechnung nicht sehr attraktiv, weshalb bisher nur wenig von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wurde. Seit Juli 2017 gilt eine viel einfachere Regelung: Bis zum jährlichen Freibetrag von 6.300 Euro ist ein Nebeneinkommen ohne Rentenschmälerung möglich. Alles darüber hinaus wird zu 40 Prozent angerechnet, was die ausgezahlte Rente entsprechend verringert – und damit zur sogenannten Teilrente macht. Wie viel ein Rentner mit seinem Nebenjob tatsächlich dazuverdient hat, wird einmal im Jahr abgeglichen. Liegt die Summe aus gekürzter Rente und dem Hinzuverdienst über dem bisherigen Einkommen (höchstes Bruttogehalt der vergangenen 15 Kalenderjahre), wird der darüber liegende Hinzuverdienst zu 100 Prozent auf die verbliebene Teilrente angerechnet.

Wofür auch immer sie sich entscheiden, es empfiehlt sich für künftige Rentner, auch außerhalb des staatlichen Systems für den Ruhestand vorzusorgen, um die Gesamteinkünfte zu erhöhen. Etwa durch eine Investment-Rente oder eine Privat-Rente, die als Ergänzung zur gesetzlichen Rente eine attraktivere Verzinsung versprechen, als dies heute mit Lebensversicherungen möglich ist.

Gut informiert: Renteninformation, Rentenauskunft und Vor-Ort-Beratung

Um den Ruhestand und die private Altersvorsorge gelassen planen zu können, brauchen künftige Rentner Informationen – zum Beispiel dazu, wie hoch ihre gesetzliche Rente einmal sein wird. Wer mindestens 27 Jahre alt und gesetzlich rentenversichert ist, bekommt deshalb zumindest einmal im Jahr Post aus Berlin: Die aktuelle Renteninformation. Das ist die amtliche Berechnung, die zeigt, was man aus dieser Kasse im Alter an Zahlungen zu erwarten hat. Das Dokument ist die zentrale Grundlage zur finanziellen Planung des Ruhestands.

Die sogenannte Rentenauskunft liefert im Vergleich zur Renteninformation ein noch genaueres Bild über die Gestaltungsspielräume, die man im Rahmen der Rentenversicherung hat. Versicherte ab 55 erhalten sie automatisch alle drei Jahre. Jüngere können sie beim zuständigen Rentenversicherungsträger beantragen.

Zudem bietet  die Deutsche Rentenversicherung in ihren Auskunfts- und Beratungsstellen kostenlose Beratung vor Ort an. Die entsprechenden Adressen findet man auf der Internet-Seite der Deutschen Rentenversicherung. Informationen gibt es auch am Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung unter der kostenfreien Rufnummer 0800 1000 4800.