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Das Finanzblogger-Paar Marielle (26) und Mike (31) von Beziehungs-Investoren.de erwartet Ende des Monats ein Baby. Wie die beiden sich finanziell auf den Nachwuchs vorbereiten, warum Aufschieben in Bezug auf Einkäufe manchmal eine gute Lösung ist und wie sie dem Kind ganz nebenbei die Börse erklären werden, erzählen sie im Interview.

Bei euch steht Nachwuchs an – Herzlichen Glückwunsch! Das bedeutet viel Veränderung, die auf euch zukommt – auch in finanzieller Sicht. Mit welchen Kosten müssen werdende Eltern rechnen?

Interview mit Marielle und Mike Schäfer als Beziehungs-Investoren

Beziehungs-Investoren Marielle und Mike Schäfer

Mike: Das sind – insbesondere während der Schwangerschaft – Arztkosten. Wir waren geschockt, wie viel dabei zusammenkommt, auch wenn es einzeln nur viele kleine Beträge sind. Bei uns übersteigen die medizinischen Kosten sogar die Anschaffungskosten für die Erstausstattung.
Marielle: Klar, das beginnt bei den vielen Vorsorgeuntersuchungen: Die grundlegenden Untersuchungen sowie regelmäßige Checkups bezahlt zwar die Krankenkasse, aber viele weitere Tests, die durchaus sinnvoll sind, müssen Eltern privat bezahlen. Man möchte natürlich nur das Beste für das Kind und da sammelt sich in neun Monaten einiges an. Dann kommt der Geburtsvorbereitungskurs. Meine Kasse übernimmt die Kosten, aber Mike als Vater muss zahlen.
Mike: Ein weiterer Kostenfaktor sind außerdem Kleidung für Mutter und Kind sowie die Grundausstattung wie Kinderwagen und -bett. Sobald das Kind auf der Welt ist, fallen dann noch Kosten für Windeln und Ernährung an. Gehen die Eltern wieder arbeiten, kommen Betreuungskosten für Kita oder Tagesmutter dazu. Je nachdem, ab wann das Kind betreut wird und wo man wohnt, variieren die Kosten.

Welche Möglichkeiten gibt es, bereits im Vorfeld ein gewisses Startkapital für ein Kind anzusparen?

Mike: Am besten hilft dabei ein Haushaltsbuch. Durch eine solche Kostenaufstellung hat man als Paar einen Überblick über die gemeinsamen Einnahmen und Ausgaben und kann einen Betrag festlegen, den man monatlich zur Seite legen möchte. Für uns war klar: Dieses Geld investieren wir nicht in Fonds oder ETF-Sparpläne, sondern zahlen es auf ein Tagesgeldkonto ein, da wir so jederzeit an das Geld herankommen können.
Marielle: Als wir von der Schwangerschaft erfuhren, haben wir relativ schnell eine Budgetplanung erstellt. Wir haben geschaut: Welche Lebensgewohnheiten werden sich ändern? Große Kostenfaktoren wie der Arbeitsweg oder der Lunch mit den Kollegen werden während der Elternzeit für mich zum Beispiel wegfallen. Dann haben wir festgelegt: Welche Anschaffungen brauchen wir wirklich? Wir bekommen ein Sommerkind – da muss man anders kalkulieren als bei einem Kind, das im Winter zur Welt kommt. Diese und weitere Faktoren im Vorfeld durchzugehen, kann ich werdenden Eltern nur empfehlen.

Habt ihr einen Tipp, wie die Anschaffungen nicht allzu teuer werden?

Marielle: Bei Erstausstattung und Kleidung setzen wir auf Gebrauchtes: Besonders in den ersten Lebensmonaten tragen die Kinder ihre Kleidung nur ein paar Mal, ehe sie schon wieder herausgewachsen sind. Ähnlich ist es bei der Umstandsmode für mich. Natürlich gibt es auch Eltern, die andere Prioritäten haben, aber das muss jeder für sich wissen. Wir sehen hier das Einsparpotential und waren überrascht, wie gut die Qualität der meisten gebrauchten Sachen ist. Für die Ausgabenplanung sollte man auch bedenken: Die meisten Dinge können wir irgendwann weiter verkaufen – es gibt so viele Portale, Flohmärkte und Second-Hand-Läden für Kindermode und Gebrauchsgegenstände.
Mike: Was auch hilft: Einige Anschaffungen nach hinten schieben – auch wenn man am liebsten direkt alles zu Beginn der Schwangerschaft anschaffen würde. Wenn man die Kosten auf mehrere Monate verteilt, geht es nicht auf einen Schlag auf das Budget. Spontankäufe versuchen wir auch weitestgehend zu vermeiden. Wenn wir etwas sehen, das wir uns für das Kind wünschen, setzen wir es auf eine Online-Wunschliste, die wir mit Freunden und der Familie teilen, wenn sie uns nach Geschenkideen zur Geburt fragen.
Marielle: Generell sollte man sich in all der Euphorie auch immer fragen: Was braucht das Kind wirklich und welche der Anschaffungen brauchen die Eltern? Muss es tatsächlich die teure Wandfarbe für das Kinderzimmer sein? Braucht man sowohl Kinderbett, als auch Beistellbett und Reisebett oder reicht ein Bett, in dem sich das Kind wohlfühlt und das man umfunktionieren kann?

Ihr beschäftigt euch auf eurem Blog beziehungs-investoren.de viel mit dem Thema Geldanlage. Wie legt ihr euer Geld langfristig für euer Kind an?

Marielle: Wir werden ein Depot auf den Namen des Kindes einrichten. Ein ETF-Sparplan ist dort direkt enthalten. Freunde und Familienmitglieder, die dem Kind Geld schenken wollen, können dieses direkt dort einzahlen und ein Teil des Kindergeldes überweisen wir ebenfalls in den Sparplan. Dadurch, dass der Name des Kindes eingetragen ist, gehört das Geld direkt dem Kind – wir verwalten das Depot nur bis zum 18. Lebensjahr. Sollte uns etwas passieren oder eine Trennung bevorstehen, kommt kein zusätzlicher Aufwand auf das Kind zu. Ein weiterer Bonus: Dem Kind steht ein eigener Steuerfreibetrag zu.
Mike: Wir finden es außerdem wichtig, dem Kind an einem handfesten Beispiel erklären zu können, wie die Börse und das Sparen funktionieren. So kann es ab einem gewissen Alter zum Beispiel selbst online beobachten, wie sich der ETF-Sparplan entwickelt – und wird von allein Fragen stellen. Das geht viel mehr in das Bewusstsein über als ein kurzer Exkurs über die Börse in der Schule. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Geld ist unser Ziel – sodass das Kind das Geld am Ende nicht einfach erhält, sondern es versteht.

Die Top 3 Tipps von Marielle und Mike für werdende Eltern
  1. 1. Ein Haushaltsbuch führen

    Schafft den Eltern einen Überblick und bereitet sie auf die steigenden Kosten durch den Nachwuchs vor. Wie viel Geld kann bis zur Geburt zur Seite gelegt werden? Kann man sich ein Kind überhaupt leisten?

    Hier geht’s zum Download der Excel-Tabelle von Marielle und Mike für den perfekten Finanzüberblick.

  2. 2. Nicht zu früh mit den Einkäufen starten

    Nach der positiven Nachricht will man als werdende Eltern schnell die schönsten Kinderwagen, Autositze und Babybetten aussuchen und das Kinderzimmer einrichten. In der Regel reicht es aber, diese Käufe ab der 20. Schwangerschaftswoche zu erledigen und die großen Käufe auf mehrere Monate zu verteilen, um das Konto nicht an einem Tag komplett auszulasten.

  3. 3. Sparen für das Kind mit geringen Beträgen

    Je älter das Kind wird, desto größer werden die einzelnen Kostenpunkte: Teilnahmen an Ferienfreizeiten, Trainingscamps und am Schüleraustausch möchten die meisten Eltern ihrem Kind gerne ermöglichen und auch der Führerschein kommt schneller, als man denkt. Dafür legen Marielle und Mike monatlich kleine Beträge an, die zu Beginn zu 100% in den Sparplan fließen. Mit der Zeit wird dann ein Teil auf dem Tagesgeldkonto des Kindes gelagert, damit es ab einem gewissen Alter für das Kind verfügbar ist und es lernen kann, mit dem eigenen Geld umzugehen. Größere Summen wie die Ferienfreizeit können so ebenfalls durch das Ersparte finanziert werden – und der Zinseszinseffekt wird über die lange Laufzeit genutzt.

Hier geht es zu Mikes und Marielles Tipps für die Baby-Erstausstattung auf ihrem gemeinsamen Blog.