© Jugendzentrum anyway
Sie möchten Informationen zu einem bestimmten Thema? Dann nutzen Sie unsere Suchfunktion:

Am 11. Oktober ist Coming Out Day. Ein Coming Out ist für viele immer noch eine große Herausforderung – umso mehr, wenn man noch sehr jung ist und Vorbilder und Identifikationspersonen im direkten Umfeld fehlen. Gut, dass es Vereine gibt, die die Jugendlichen auf ihrem Weg unterstützen. Wir stellen mit Coming Out Day e.V. einen davon vor.

Laut einer Studie des Berliner Senats „Sie liebt sie. Er liebt ihn.“ ist das Suizidrisiko bei Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren vier Mal höher als bei Jugendlichen im Allgemeinen – und umso höher, je jünger die Leute bei ihrem Coming Out sind. Ein schockierender Fakt, findet auch Sven Norenkemper, der sich seit über 10 Jahren für Menschen engagiert, die in besonderem Maße mit ihrem Coming Out zu kämpfen haben. Sein Verein Coming Out Day e.V. (COD) aus Köln unterstützt bundesweit Projekte, die homosexuelle Jugendliche betreuen.

„Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass viele der Probleme, die wir bereits vor vielen Jahren diskutierten, immer noch so aktuell sind“ sagt Sven Norenkemper. „Aber auch heute noch haben Jugendliche Schwierigkeiten, sich als schwul oder lesbisch zu outen.“

Viele Projekte, die den Jugendlichen helfen sollen, werden von ehrenamtlichen Helfern unterstützt, die Arbeit wird oft zu 100 % über Spenden finanziert.

Offizieller „Coming Out Day“ am 11. Oktober

Dabei ist deren Arbeit extrem wichtig für schwule und lesbische Jugendliche, denen oftmals Vorbilder und Identifikationspersonen im eigenen Umfeld fehlen. Zudem erleben auch heutzutage noch viele der jungen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Kontaktabbrüche, Diskriminierungen und körperliche Gewalt in der Familie oder im Freundeskreis. Und das in einem Alter, in dem alle Jugendlichen in einer Phase der Ungewissheit, der rasanten Veränderungen und der Identitätsfindung besonders anfällig sind für Angriffe auf das Selbstwertgefühl. Am 11. Oktober findet der offizielle Coming Out Day statt, der diese Probleme in das Bewusstsein aller rufen soll. Entstanden ist die Idee Ende der 1980er Jahre in den USA – seither gibt es weltweit verschiedenste Aktionen auf lokaler Ebene, die Aufmerksamkeit erzeugen und homosexuelle Menschen zu einem Coming Out ermutigen sollen.

Eines der Projekte, das Coming Out Day e.V. unterstützt, ist das Jugendzentrum anyway in Köln. Angeboten werden dort unter anderem Aufklärungsprojekte, Beratungen, Wochenendfreizeiten, Workshops und vieles mehr. Außerdem gibt es einen offenen Cafébereich, in dem rund 50 Jugendliche ehrenamtlich mitarbeiten. Seit nunmehr vier Monaten wird zudem der jahrelang leer stehende Nebenraum renoviert und umgebaut. Hier entsteht eine gemütliche Bar, auch ein schallgeschützter Clubraum wird demnächst zur Verfügung stehen – insgesamt soll sich die Fläche des Jugendzentrums verdoppeln.

„Mit einem Stuhlkreis zum Thema Coming Out können wir niemanden anlocken“, weiß Thomas Haas, Leitender Sozialpädagoge des Jugendzentrums, „wir brauchen eine attraktive Location, um innerhalb eines entspannten Umfelds auf unsere Projekte aufmerksam zu machen.“

Nur sechs Jugendzentren in ganz NRW

Der Bedarf ist groß, es gibt in NRW neben dem anyway nur fünf weitere Jugendzentren dieser Art. Da wundert es nicht, dass knapp die Hälfte der regelmäßigen Besucher gar nicht aus Köln kommt, das Einzugsgebiet reicht bis in die hintersten Winkel des Bundeslandes. Projekte wie COD und anyway geben Anlass zur Hoffnung, dass Jugendliche sich zukünftig entspannter und selbstbewusster outen können.

Ein wichtiges Anliegen, findet auch Wundertaler e.V., der Mitarbeiterverein der TARGOBANK, und hat dem Projekt 2.000 Euro gespendet. Toleranz und Vielfalt werden auch in der TARGOBANK großgeschrieben. Ein Beispiel ist das von Mitarbeitern gegründete Diversity-Netzwerk, das sich für die „Gleichstellung unabhängig der sexuellen Orientierung“ (GudsO) einsetzt. Regelmäßig sind die im Netzwerk aktiven Mitarbeiter bei Umzügen zum Christopher Street Day vertreten oder machen mit Infoständen auf das Thema aufmerksam. Und die Solibär-Aktion, bei der das GudsO-Netzwerk seit 2006 jedes Jahr am Welt-Aids-Tag Teddybären zugunsten der AIDS-Hilfe in der Bank verkauft, ist zu einer festen Tradition im Unternehmen geworden.