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Die Digitalisierung verändert zunehmend Märkte und Branchen – auch die Finanzwelt bleibt davon nicht unberührt. So genannte „FinTechs“ drängen mit Dienstleistungen auf den Markt und treten in Konkurrenz zu Banken und Sparkassen. Die Bankbranche reagiert unterschiedlich: Während einige die FinTechs als Bedrohung empfinden, loten andere Kooperationsmöglichkeiten aus.

Egal, ob es um die unbürokratische Vermittlung eines Kredits geht, oder darum, alltägliche Einkäufe zu erledigen: immer mehr Menschen nutzen das Internet. Im Jahr 2014 hatte sich bereits die Hälfte der deutschen Bankkunden zum Online-Banking angemeldet. Im vergangenen Jahr dürfte die Zahl noch einmal gestiegen sein.

„Kunden möchten jederzeit selbst darüber entscheiden, wann und wie sie ihre Bankgeschäfte erledigen. Ob persönlich in der Filiale, telefonisch im Service Center, online am Computer oder mobil über das Smartphone“, weiß Jürgen Lieberknecht, Vorstand Produktmanagement und Marketing bei der TARGOBANK.

Konkurrenz für die Banken

So genannte FinTechs („Financial Services“ und „Technologie“) bieten eigene finanznahe Dienstleistungen im Internet an. Die Startups kümmern sich etwa um Peer-2-Peer-Überweisungen und -Kredite, ohne dass Banken dabei eine Rolle spielen. Die Abwicklung läuft per SMS oder E-Mail.

Vorreiter sind die Vereinigten Staaten, Großbritannien oder China. Allein in den USA sind bereits mehr als 8.000 FinTechs registriert. Aber auch in Deutschland findet ein Umdenken statt, wie eine Studie des Marktforschungsinstituts Yougov und des Auslandsüberweisungsdienstes Transferwise  zeigt. 72 Prozent der Befragten gaben dabei an, sie könnten sich vorstellen, FinTechs zukünftig für Geschäfte zu nutzen, die sie aktuell bei ihrer Bank in Anspruch nehmen. Neben neuen Bezahlmöglichkeiten beim Einkaufen (20 Prozent) interessieren sich die Kunden vor allem für Alternativen rund um das private Konto (27 Prozent).

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Chance statt Bedrohung

Digitalisierung ist für die Finanzdienstleistungsbranche dabei kein neues Phänomen. Bereits seit gut einem halben Jahrhundert passen Banken ihre Prozesse im Rahmen des technischen Fortschritts kontinuierlich an.

„Banken sollten die FinTechs daher nicht als Bedrohung sehen. Vielmehr sollten sie die neue Konkurrenz als Chance begreifen und da, wo es passt, Kooperationen anstreben“, sagt Jürgen Lieberknecht.

Erste Veränderungen gibt es bereits. So bauen Banken und Sparkassen – darunter auch die TARGOBANK – mit Paydirekt mittlerweile einen eigenen Online-Bezahldienst auf. Paydirekt ist eine Alternative zum US-Dienst Paypal, der in Deutschland derzeit rund 16 Millionen Kunden hat. Im Gegensatz zu Paypal wird der Zahlungsablauf bei Paydirekt ohne Zwischenstation direkt zwischen der Bank und dem Händler abgewickelt. Das Kreditinstitut prüft dabei, ob der Kunde zahlungsfähig ist und schickt dem Händler anschließend eine Bestätigung. Nicht nur die Händler sollen sich dadurch besser absichern können, auch die Daten der Verbraucher sollen besser geschützt sein.

Großkonzerne ziehen nach

Damit reagieren die Banken auf die Bedürfnisse ihrer Kunden. Eine Studie der Unternehmensberatung Investors Marketing (IM) zeigt, dass 38 Prozent der deutschen Bankkunden sich vorstellen können, ein Girokonto beim Internetbezahldienst Paypal zu eröffnen. Auch bei Google würde knapp jeder Zehnte ein Konto aufmachen. Bislang hat der Konzern allerdings lediglich in den USA das Online-Bezahlsystem „Google Wallet“ eingeführt. Mit Hilfe einer kostenfreien Guthaben-Karte können Kunden in Geschäften einkaufen und Bargeld am Automaten abheben.

Neben Google plant auch ein weiterer Weltkonzern den Einstieg in die Branche. So will Apple im Februar in China den Dienst Apple Pay starten. Kunden sollen dann ihre lokalen Bankkonten mit Apple Pay verknüpfen und mit Smartwatch und Smartphone bezahlen können. Wann und ob Apple Pay auch in Deutschland startet, ist ungewiss.

FinTech-Unternehmen haben dagegen meist nicht den Anspruch, das gesamte Bankgeschäft abzudecken – auch weil die wenigsten von ihnen über eine eigene Banklizenz verfügen. FinTechs werden das komplette Servicepaket von Banken also nicht ersetzen können – zumal sie meist keinen persönlichen Kontakt zum Berater anbieten. Und der gehört für die Mehrzahl der Kunden immer noch dazu.