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Die Digitalisierung verändert zunehmend Märkte und Branchen – auch die Finanzwelt bleibt davon nicht unberührt. Immer neue „FinTechs“ drängen seit Jahren mit Dienstleistungen auf den Markt und treten in Konkurrenz zu Banken und Sparkassen. Die Bankbranche reagiert unterschiedlich: Während einige die FinTechs als Bedrohung empfinden, loten andere Kooperationsmöglichkeiten aus.

Egal, ob es um die unbürokratische Vermittlung eines Kredits geht, oder darum, alltägliche Einkäufe zu erledigen: immer mehr Menschen nutzen das Internet. Im Jahr 2018 hatte sich bereits die Hälfte der deutschen Bankkunden zum Online-Banking angemeldet – Tendenz klar steigend.

„Die Kunden möchten jederzeit selbst darüber entscheiden, wann und wie sie ihre Bankgeschäfte erledigen. Ob persönlich in der Filiale, telefonisch im Service Center, online oder mobil über das Smartphone“, weiß Andreas Houben, Ressortleiter Produkte und Marketing bei der TARGOBANK.

Konkurrenz für die Banken

FinTechs (ein Wortkonstrukt aus „Financial Services“ und „Technologie“) bieten eigene finanznahe Dienstleistungen im Internet an. Die Startups kümmern sich etwa um Peer-2-Peer-Überweisungen und -Kredite, ohne dass Banken dabei eine Rolle spielen. Die Abwicklung läuft per SMS, E-Mail oder die jeweilige App.

Vorreiter sind die Vereinigten Staaten, Großbritannien oder China. US–FinTechs haben 2018 von Investoren einen Rekord von 11,89 Milliarden Dollar erhalten. Und auch in Deutschland boomt die Fintech-Branche. Laut einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts YouGov zeigen sich Verbraucher in Deutschland offener für Angebote von FinTechs als noch vor drei Jahren. „Insgesamt ist eine wachsende Akzeptanz bei Konsumenten gegenüber den neuen Anbietern im Finanz- und Versicherungssektor zu beobachten“, sagt Katharina Brachthäuser, Consultant Custom Research bei YouGov. „So sind die Befragten 2019 häufiger davon überzeugt, dass neue Anbieter kundenorientiert sind. Auch geben heute tendenziell mehr Befragte an, dass neue Angebote im Bereich Finanzdienstleistung interessant für sie sind. Klassische Anbieter von Finanzdienstleistungen sollten sich also bewusst sein, dass FinTechs nicht nur ein vorübergehender Trend sind, sondern disruptive Wirkung mit sich bringen können.“

Um das Vertrauen der Verbraucher müssen FinTechs aber nach wie vor kämpfen. In der Umfrage wird deutlich, dass noch erhebliche Bedenken bestehen: So waren mehr als 60 Prozent der Teilnehmer der Meinung, die Angebote seien intransparent, zu wenig reguliert und machten den Finanzmarkt noch unübersichtlicher. Rund die Hälfte der Befragten hatte zudem bei allen Services von FinTechs große Datenschutzbedenken. Das FinTech-Kooperationsradar 2019 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt außerdem, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren 170 deutsche FinTechs ihr Geschäft eingestellt haben.

Chance statt Bedrohung

Digitalisierung ist für die Finanzdienstleistungsbranche dabei kein neues Phänomen. Bereits seit gut einem halben Jahrhundert passen Banken ihre Prozesse im Rahmen des technischen Fortschritts kontinuierlich an.

„Banken sollten die FinTechs daher nicht als Bedrohung sehen. Vielmehr sollten sie sie als Chance begreifen und da, wo es passt, Kooperationen anstreben“, sagt Andreas Houben.

Konkret geht es darum zu entscheiden, welche Services dem Kunden und der Bank tatsächlich einen Mehrwert bieten. Im zweiten Schritt gilt es sehr genau abzuwägen, ob man sie im eigenen Haus entwickelt oder ob man auf externe Anbieter zurückgreift – beispielsweise in Form einer Kooperation –, wobei die TARGOBANK verstärkt auf Inhouse-Entwicklungen setzt. Grundsätzlich stehen alle Banken vor der Herausforderung, den durch die Digitalisierung veränderten Kundenbedürfnissen und -erwartungen gerecht zu werden. Der Konsument ist heute insgesamt viel aufgeklärter und zudem preissensibler.

„Im Privatkundengeschäft sind wir daher bereits an den entscheidenden Stellen mit digitalen Lösungen am Start – von unserer Banking App, über unsere volldigitale Vermögensverwaltung Pixit bis hin zum kompletten mobilen Kreditantrag. Gleiches gilt für den Geschäfts- und Firmenkundenbereich“, so Andreas Houben.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck

FinTechs haben meist nicht den Anspruch, das gesamte Bankgeschäft abzudecken – auch weil die wenigsten von ihnen über eine eigene Banklizenz verfügen. Sie werden das komplette Servicepaket der Banken also nicht ersetzen können – zumal sie meist keinen persönlichen Kontakt zum Berater anbieten. „Wir wollen eben nicht nur Produkte für den Digital Native anbieten, sondern auch für die Menschen, die ihre Bankgeschäfte nicht komplett über das Smartphone abwickeln wollen oder können“, sagt Houben. Dazu gehören seiner Meinung nach auch ein intelligentes Filialnetz und eine rund um die Uhr besetzte Hotline. Beides stellt einen persönlichen Ansprechpartner sicher. Schließlich sei „Banking immer auch Vertrauenssache. Die persönliche Interaktion, der zwischenmenschliche Kontakt zwischen Kunden und Beratern bleibt ein entscheidender Faktor.“