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Elektromotoren sind gut für die Umwelt, doch bisher blieb der Erfolg in Deutschland aus. Was tut sich in anderen Ländern? Wie wird die Technologie gefördert und welche Strategien verfolgen die Autobauer? Wir stellen die wichtigsten Infos zusammen.

Vieles weist darauf hin, dass sich die Zeit der Verbrennungsmotoren in Kraftfahrzeugen dem Ende nähert. Auch wenn solche Autos in Deutschland wohl noch viele Jahre neu zugelassen werden dürfen – spätestens 2050 zieht man wohl auch hierzulande einen Schlussstrich. Das ergibt sich aus dem Beitritt Deutschlands zur ZEV-Allianz (ZEV = Zero Emission Vehicle). Nach jahrelangem Zögern arbeiten die Autobauer inzwischen mit Hochdruck an einer elektrifizierten Fahrzeugflotte. Denn Stickoxide durch Dieselmotoren sind ebenso schwer in Griff zu bekommen wie der hohe Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid bei den Benzinern. Andere, emissionsarme – noch besser: emissionsfreie – Antriebe müssen es stattdessen richten.

Strom statt Diesel oder Benzin – so lautet in Kürze die Formel für emissionsfreie Mobilität. Tatsächlich konnten sich laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der TARGOBANK im Frühjahr 2019 nur noch 16 Prozent der befragten Autofahrer den Kauf eines Dieselfahrzeugs vorstellen. Doch noch verkauft sich das Elektroauto in Deutschland zu zäh, als dass es eine Alternative sein könnte. Gerade einmal knapp über 83.000 strombetriebene Autos waren Anfang 2019 auf deutschen Straßen unterwegs. Doch die Tendenz ist ganz klar steigend: Von Januar bis Juni sind in der Bundesrepublik 48.000 E-Fahrzeuge zugelassen worden. Damit ist Deutschland zum größten Markt für Elektroautos in Europa aufgestiegen und hat das seit Jahren führende Norwegen überholt. Diese Zahlen gehen aus einer aktuellen Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) hervor.

Staatliche Förderung für das Elektroauto als Anreiz

E-Mobilität formt einen internationalen Trend, und der große Star der Branche ist das US-amerikanische Unternehmen Tesla aus Kalifornien. Schon vor Jahren löste der Elektrosportwagen „Roadster“ mit einem Top Speed von 200 km/h und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter vier Sekunden einen wahren Hype aus. Inzwischen sorgt das „Model 3“ für Furore – in Norwegen fiel der Kundenansturm im März 2019 so extrem aus, dass man bei Tesla nicht mehr mit dem Beantworten der Anfragen nachkam.

Weltweit werden Elektroautos nirgendwo so stark gefördert wie in Norwegen. Die weitgehende Steuerbefreiung und weitere Privilegien haben dazu geführt, dass im Jahr 2018 fast jede zweite Neuzulassung in Norwegen ein Elektroauto war.

Von solchen Quoten kann man in Deutschland nur träumen. Doch auch hier gibt es seit 2016 eine Kaufprämie, den „Umweltbonus“. Dabei werden Elektroautos mit bis zu 4.000 Euro und Plug-in-Hybride (siehe Kasten) bis zu 3.000 Euro gefördert. Die Hälfte der Prämie bringt der Staat auf, die andere Hälfte der Autohersteller. Die Förderung gilt nicht unbegrenzt: 1,2 Milliarden Euro stehen dafür bis zum Jahr 2021 zur Verfügung. Das entspricht 400.000 geförderten Fahrzeugen. Nach ursprünglichen Schätzungen wäre dieses Volumen bereits Mitte 2019 aufgebraucht. Allerdings gab es bis Ende April 2019 erst knapp 114.000 Anträge. Daher erwägt die Bundesregierung, den Förderzeitraum noch einmal zu verlängern.

Hier finden Sie Informationen zur Beantragung des Umweltbonus.

Auch eine steuerliche Förderung gibt es: Für ein bis Jahresende 2020 zugelassenes Elektroauto muss zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer bezahlt werden. Wird das E-Auto in dieser Zeit verkauft, lässt sich der Steuervorteil auf den neuen Halter übertragen. Eigentümer von Hybridfahrzeugen mit Verbrennungsmotor kommen allerdings nicht in den Genuss dieses Steuervorteils.

Dafür profitieren sowohl Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge seit 2019 von einem günstigeren Dienstwagen-Privileg: Sie werden nämlich pauschal mit nur 0,5 Prozent des Listenpreises versteuert. Dienstwagen, die ausschließlich mit Verbrennungsmotor angetrieben werden, muss man dagegen mit einem Prozent des Listenpreises beim Finanzamt ansetzen. Und selbst das Laden des Elektroautos beim Arbeitgeber muss nicht mehr als geldwerter Vorteil versteuert werden.

Eine große Herausforderung bleibt die flächendeckende Versorgung mit Schnellladesäulen, zum Beispiel entlang der Autobahnen. Der Raststättenbetreiber „Tank & Rast“ nennt 318 Raststätten, an denen es dieses Angebot gibt. Inzwischen werden auch sogenannte Ultra-Schnellladesäulen installiert, die mit ihrer höheren Kapazität die Ladezeit nochmals verkürzen. Insgesamt ist die Zahl aller Stromtankstellen in Deutschland – also auch abseits der Autobahnen – von rund 3.500 im Jahr 2015 auf etwa 15.000 im Mai 2019 kräftig gestiegen.

Gegenstand der Förderung sind nicht nur öffentliche Ladestellen, sondern auch private Ladestationen und Stromspeicher. Höhe und Konditionen der Förderung für solch eine „Wallbox“ unterscheiden sich hier allerdings stark von Bundesland zu Bundesland und von Stadt zu Stadt.

Umfassende Informationen zur Förderung von Elektroautos in Deutschland hat der ADAC zusammengestellt.

Treiben Lithium-Akkus oder Wasserstoff das Zukunfts-Auto an?

Ob und wie sehr sich ein Elektroauto für seinen Besitzer bereits rechnet, ist unmöglich pauschal zu beantworten. Dies hängt immer von der persönlichen Nutzung des Vehikels ab.

Knackpunkt für viele potenzielle Käufer ist die Reichweite. Deshalb versuchen die Autobauer, vor allem an dieser Stellschraube zu drehen. Mit Distanzen zwischen 565 und 600 Kilometern liegen die Tesla-Modelle X, S und 3 an der Spitze der Elektroautos. Immerhin 520 Kilometer schafft der seit 2017 erhältliche Opel Ampera-e. Ende 2019 möchte Porsche den Taycan mit 500 Kilometern Reichweite, Mercedes-Benz das Modell EQC mit 450 Kilometern Reichweite anbieten.

Aber auch kompaktere Fahrzeuge für kürzere Strecken haben ihre Berechtigung, etwa der e.GO Mobile Life oder ein Smart EQ. BMW, Audi und Volkswagen versuchen mit ihren neuen Modellen unterschiedliche Käuferbedürfnisse abzudecken.

Nicht nur die Modelle, auch die Grundlagentechnik wird ständig vorangetrieben. So arbeiten mehrere Hersteller an der Entwicklung einer neuen Generation von Lithium-Batterien mit einer höheren Energiedichte. Dieser Trend zu weniger Gewicht und höherer Kapazität wird ebenfalls zu einer Vergrößerung der Reichweiten beitragen.

Unternehmen in Ostasien setzen nicht ausschließlich auf Batterieantrieb: So erzielen der Hyundai Nexo (756 Kilometer) oder der Toyota Mirai (480 Kilometer) ihre außerordentliche Reichweite mit der Brennstoffzellen-Technologie. Die Fahrzeuge produzieren quasi ihren eigenen Strom, indem der getankte Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Luft in reinen Wasserdampf umgewandelt wird. Für 100 Kilometer sind etwa 1 bis 1,2 Kilogramm Wasserstoff erforderlich. Neben hohen Anschaffungspreisen für diese Fahrzeuge gibt es leider einen weiteren Haken: 2018 standen erst 50 Wasserstofftankstellen in Deutschland bereit.

Wer sich regelmäßig über die dynamische Entwicklung in der Elektromobilität informieren möchte, schaut am besten in Portale und Blogs wie ecomento oder e-mobilität-online.

Die „Tanke“ in der eigenen Garage

Bis es wirklich flächendeckend Schnellladesäulen gibt, muss man das Aufladen seines E-Fahrzeugs selbst in die Hand nehmen. Wer eine Garage hat, kann sein E-Auto im Grunde einfach dort an die Steckdose anschließen. Allerdings sind handelsübliche Anschlüsse und Leitungen in der Regel nicht unbedingt für die Stromstärken ausgelegt, die in den Auto-Akku fließen. Außerdem ist das Ladetempo eher langsam. Daher ist es ratsam, sich für die Garage oder den Stellplatz eine „Wallbox“ als leistungsfähige Ladestation installieren zu lassen.

Übrigens: Wie sauber ein Elektroauto tatsächlich ist, entscheidet der Strom, mit dem es aufgeladen wird. Weitgehend CO2-neutral kann nur das Fahren mit Ökostrom aus regenerativen Energiequellen sein. Nahezu alle Energieversorger bieten heute Ökostrom an. Wer bei seiner (elektrischen) Mobilität Wert darauf legt, tatsächlich die Umwelt zu schützen, sollte also durch die Wahl des Stromanbieters sicherstellen, dass die Energie für sein Gefährt nicht aus Kohlekraftwerken stammt.

Und es geht noch ökologischer: Wer auch noch den Flächenverbrauch einschränken möchte, den ein Auto beim Fahren und Parken naturgemäß bedeutet, kann auf ein mit Elektromotor verstärktes Transportfahrrad umsatteln. Der Wochenendeinkauf im Supermarkt lässt sich nämlich auch so locker emissionsfrei nach Hause bringen.

Was können Hybridfahrzeuge?

In Hybridautos sind zwei Antriebsarten – meist Benzin- und Elektromotor – an Bord. Das clevere Zusammenwirken beider Antriebe macht diese Kombination besonders effizient. Während bei niedrigen Geschwindigkeiten vor allem der leise und saubere Elektromotor schnurrt, kommt der Benzinmotor eher bei höherem Tempo zum Tragen. Denn erst im relativ hohen Drehzahlbereich entfaltet er einen guten Wirkungsgrad.

Der Elektromotor fungiert auch als Dynamo, so dass beim Bremsen Energie zurück ins System gespeist wird (Rekuperation). So verbrauchen Hybridfahrzeuge im Schnitt 20 bis 30 Prozent weniger Kraftstoff als die konventionellen Vergleichsfahrzeuge. Das kommt immer besser an: Die Zahl der zugelassenen Hybride in Deutschland hat sich seit 2015 von 107.000 Fahrzeugen auf 341.000 Autos im Jahr 2019 mehr als verdreifacht.

Während die Akkus mancher Hybridautos ausschließlich beim Fahren aufgeladen werden, beziehen Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge einen Großteil ihrer elektrischen Energie durch Aufladung aus dem Stromnetz. Nur für solche Plug-in-Hybride kann man in Deutschland eine Kaufprämie in Höhe von maximal 3.000 Euro erhalten.