© zapp2photo - fotolia.com

Handy zücken, Auto in der Nähe finden, einsteigen und losfahren. Carsharing ist einfach. Aber ist mieten auch günstiger als ein eigenes Auto? Und was sollte man noch alles im Blick haben, um zu entscheiden, was die bessere Wahl ist?

Statussymbol, Freiheit, pure Leidenschaft und noch mehr – das Auto ist des Deutschen liebstes Spielzeug. Ist das so? Die junge Generation sieht das mittlerweile anders. Das Smartphone wird wichtiger als ein eigenes Auto. Laut einer Sinus-Studie zur „Generation What?“ können sich fast 70 Prozent der Jugendlichen vorstellen, ganz ohne eigenes Auto glücklich zu sein. Früher wurde jahrelang auf einen Neuwagen gespart, heute kaufen die Youngsters lieber einen günstigen Gebrauchtwagen oder gar kein Auto mehr. Der Boom der Carsharing- und Mietwagenangebote ermöglicht den Komplettausstieg.

Trend Carsharing: Lohnt sich ein eigenes Auto noch?

Nie mehr Versicherung zahlen, nie mehr den Wagen in die Werkstatt bringen oder Winterreifen aufziehen. Die Vorteile des Carsharing liegen auf der Hand. Doch wann rechnet sich das Umsatteln aufs Mietauto eigentlich? Die Wirtschaftswoche hat einmal nachgerechnet.
Beim Autokauf geht der Trend zum Gebrauchtwagen: Die Umsätze in diesem Segment stiegen laut Online-Statistikportal Statista allein im Zeitraum 2009 bis 2016 von 51 auf 85 Milliarden Euro. Der Kauf eines Autos, egal ob gebraucht oder neu, erfordert erstmal eine beträchtliche Summe Geld. Hier kann aber eine langfristige Finanzierung wie ein Online-Autokredit eine sichere Finanzplanung gewährleisten.

Das Ergebnis: Wer jährlich nur 5.000 bis 10.000 Kilometer fährt, steigt besser in einen Mietwagen oder nutzt Carsharing. Autoleiher sparen in der Beispielrechnung des Magazins fast 700 Euro pro Jahr gegenüber den Autobesitzern. Wer über 15.000 Kilometer im Jahr abreißt, sollte sich lieber ein eigenes Auto anschaffen. Der Break Even liegt bei genau 11.250 Kilometern, dann sind die Kosten für Carsharing und Mietwagen gleichauf mit denen für den eigenen Wagen.

Speziell für Großstädter, die keine größeren Strecken bzw. nur wenige Tausend Kilometer im Jahr zurücklegen, ist der Kosten-Nutzen-Faktor beim Carsharing enorm. Denn gerade hier zahlt man als Fahrzeugbesitzer die meiste Zeit dafür, dass das eigene Auto ungenutzt herumsteht.

Carsharing: Nicht überall flexibel und für jeden geeignet

Die Musterrechnung gilt natürlich nicht für alle Nutzungsszenarien. Wirklich flexibel ist die schnelle Autoleihe bisher nur in Großstädten. Zwar sind laut Bundesverband Carsharing bereits fast 18.000 mietbare Autos in 677 Städten auf Deutschlands Straßen unterwegs, jedoch scheitert die Fahrt mit dem geliehenen Auto für viele Nutzer oft noch an den Details: Der Wagen darf die Stadtgrenze nicht überschreiten, der Weg zur Station ist einfach zu weit oder es gibt schlichtweg nicht genug Angebot. Das macht Carsharing gerade für die Landbewohner unattraktiv, die weitere Wege zur Arbeit haben. Für die kann es sich lohnen, ein eigenes Auto zu kaufen, auch wenn sie unter den 15.000 Kilometern liegen.

Carsharing Checkliste
  1. 1. Die Jahresfahrleistung

    Nach einer Berechnung der Wirtschaftswoche bildet im Durchschnitt eine Jahresfahrleistung von 11.500 Kilometern die Grenze, ab der man mit dem eigenen Auto günstiger unterwegs ist. Bei einer Fahrleistung von 5.000 bis 10.000 Kilometern rechnet es sich grundsätzlich, Mietautos oder ein Carsharing-System zu nutzen. Mehr als 15.000 Kilometer pro Jahr sind ein ganz klares Argument für die Anschaffung eines eigenen PKW. Doch es gibt weitere Kriterien …

  2. 2. Die Verfügbarkeit

    Wie weit ist die nächste Carsharing-Station oder Autovermietung von Ihrer Wohnung entfernt? Wie viele Fahrzeuge sind dort regelmäßig verfügbar? Wie leicht oder schwer fällt es mir, mich an die beabsichtigte Nutzungszeit zu halten? Solche Fragen lassen sich fast nur in der Praxis beantworten: Viele Mietwagen-Betreiber bieten Schnupper-Mitgliedschaften oder -aktionen an, die Sie ausprobieren sollten.

  3. 3. Die Parkplatzsituation

    Besonders in Großstädten ist die schwierige Parkplatzsuche für viele Autofahrer ein Argument, das eigene Fahrzeug aufzugeben. Bei Carsharing-Systemen mit eigenen Parkplätzen entfällt dieses Problem zumindest bei der Rückgabe des Fahrzeugs: Seit September 2017 vereinfacht das Carsharing-Gesetz mit kostenfreien, reservierten Plätzen das Parken von Carsharing-Fahrzeugen im öffentlichen Raum.

  4. 4. Der Aktionsradius

    Nutzen Sie Ihr Fahrzeug überwiegend für Kurzstrecken, etwa im Stadtgebiet – oder benötigen Sie es regelmäßig auch für weitere Strecken? In der Regel können Carsharing-Fahrzeuge nicht außerhalb des Stadtgebiets zurückgegeben werden. Für solche Fahrten muss man sich bei einer Autovermietung um einen Wagen kümmern. Bei manchen Carsharing-Systemen ist es auch nicht erlaubt, ins Ausland zu fahren.

  5. 5. Fahrzeugtyp und Ausstattung

    Bei Mietwagen und in der Regel auch beim Carsharing können Sie den passenden Fahrzeugtyp je nach Ihrem momentanen Bedarf wählen – zum Beispiel einen Kombi oder Transporter zum Einkauf im Möbelhaus oder Baumarkt. Es gibt aber auch Nachteile: Wenn Sie einen Kindersitz benötigen, müssen Sie diesen meist selbst mitbringen. Bei manchen Anbietern ist es aber auch möglich, ihn dazuzumieten.

  6. 6. Die Instandhaltung

    Das eigene Auto in die Werkstatt zu bringen, kostet Zeit und Geld, unter Umständen auch einmal Nerven. In dieser Hinsicht ist das Leihsystem unschlagbar bequem – und garantiert frei von bösen Überraschungen. Umgekehrt gibt es auch Autofahrer, für die es einfach dazugehört, sich um solche Dinge selbst zu kümmern.

  7. 7. Die Umwelt

    Wenn Ihnen die Umwelt sehr am Herzen liegt, punkten Mietwagen und Carsharing-Systeme mit einer modernen Flotte, die sich aus überwiegend schadstoffarmen Fahrzeugen zusammensetzt. Zehn Prozent der Carsharing-Fahrzeuge wird heute sogar schon elektrisch angetrieben, ein viel höherer Anteil als bei Privatfahrzeugen. Ein weiteres Argument ist, dass jedes Mietfahrzeug in der Regel vier bis acht private PKW ersetzt, die nicht zusätzlich produziert werden müssen und beim Abstellen wertvolle Flächen verbrauchen.

Free-floating vs. stationsbasierte Anbieter

Der starke Zuwachs der Carsharing-Teilnehmer aus den letzten Jahren geht vor allem auf die großen „Free-floating“-Anbieter zurück, deren Fahrzeuge nicht stationsgebunden ausgeliehen und zurückgebracht werden.

Doch was bedeutet free-floating eigentlich genau? Hier ein Überblick:

Überblick freefloating und stationsbasierte Carsharing Anbieter

Bundesverband CarSharing e.V. (bcs), 2017