Von der Deutschen Mark zum Euro

Deutschland vor 15 Jahren: Obwohl die Bevölkerung eine starke Bindung zu ihrer D-Mark empfindet, ist man hierzulande schnell Feuer und Flamme für den Euro. Schon im Dezember 2001 gibt es die „Starter-Kits“, eine Art Schnupper-Set von Euro-Münzen, die in den Banken einen wahren Run auf die neue Währung auslösen. Und in der Neujahrsnacht 2002 ist manch einem der Gang zu den Geldautomaten, aus denen die neuen Scheine hervorsprudeln, wichtiger als der Genuss von Sekt und Feuerwerk. Doch bald schon wird die Euphorie getrübt. Weit verbreitet ist die Empfindung, dass man in Restaurants und Läden viel, viel tiefer in die Tasche greifen muss als zu D-Mark-Zeiten.

Der Teuro ist ein Mythos

Tatsächlich ziehen die Preise in vielen Gaststätten und bei manchen Dienstleistungen in der Einführungsphase des Euro auffällig stark an. In anderen Bereichen bleiben die Preise aber weitgehend stabil oder geben sogar nach. Seriöse Warenkorb-Berechnungen widerlegen die subjektiv empfundene starke Teuerung. Somit handelt sich um einen recht klaren Fall von „gefühlter Inflation“. Trotzdem nähren besonders Boulevard-Medien immer wieder gerne den Mythos des „Teuro“.

Weil immer mehr Bürger auf Reisen die Erfahrung machen, wie praktisch der Euro ist, wächst die Zustimmung für das neue Zahlungsmittel im Laufe der Jahre stetig an. Auch das Kuriosum, dass viele Deutsche noch jahrelang nach der Euro-Einführung regelmäßig Preise in D-Mark umrechnen, wie Umfragen immer wieder zeigen, tut der Akzeptanz keinen Abbruch. Aber der wahre Prüfstein für den Euro kommt erst noch…

Das Drama um Griechenland

Dass jeder Euro-Mitgliedsstaat eine weitgehend eigenständige Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben kann, gilt inzwischen allgemein als Konstruktionsschwäche der Währungsunion. Gemeinsam mit anderen Faktoren führt das in Griechenland zu der großen Staatsschuldenkrise, die seit 2010 in aller Munde ist. Ein Rettungsschirm folgt auf den nächsten, begleitet von teils heftigen Debatten.

Die Griechen haben in der Folge eine langwierige Krise und die Gläubiger eine große Unsicherheit zu überstehen – doch nach Ansicht vieler Experten ist das Volumen der griechischen Volkswirtschaft nicht groß genug, um das europäische Währungssystem insgesamt ins Straucheln zu bringen.

Bemerkenswert ist jedoch, dass selbst die schlechten Nachrichten über Griechenland nichts an der positiven Meinung der Deutschen über die Wirtschafts- und Währungsunion ändern: Eine Umfrage im Sommer 2016 misst 73 Prozent Zustimmung zum Euro als gemeinsamer Währung. Europaweit sind es 55 Prozent.

Schrittmacher für Wirtschaft, Handel und Arbeitsplätze

Die deutsche Bevölkerung erkennt im Euro offenbar einen Faktor für den Erfolg der eigenen Wirtschaft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie begründet es so: „Der Wegfall von Wechselkosten und Währungskursschwankungen hat den Handel innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beflügelt und beträchtliche Einsparungen für Unternehmen wie auch Private mit sich gebracht.“

Sei es wegen volkswirtschaftlicher Argumente oder aufgrund praktischer Erfahrungen bei Reisen im europäischen Ausland: Kaum jemand mag die Währungsunion heute noch rückgängig machen. Inzwischen gilt der Euro nach dem US-Dollar als die zweitwichtigste Währung der Welt. Ende 2014 sind erstmals Euro-Banknoten im Wert von über einer Billion im Umlauf.

Verjüngungskur nach 15 Jahren

Gerade wegen dieses hohen Umlaufvolumens ist es wichtig, dass das Bargeld sehr sicher vor Fälschungen ist: Daher werden, beginnend mit der 5-Euro-Banknote, ab 2013 die neuen Geldscheine der „Europa-Serie“ mit neuartigen Sicherheitsmerkmalen ausgegeben. Die weiteren Werte folgen schrittweise: 2014 der neue 10-Euro-Schein, die neue 20-Euro-Banknote gibt es seit Ende 2015. Im Frühjahr 2017, also über 15 Jahre nach seinem Vorgänger, kommt der neue 50-Euro-Schein in Umlauf. So sieht der Euro auch nach 15 Jahren praktisch so frisch aus wie am ersten Tag – alles Gute zum Geburtstag!