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6.000 Firmenläufer werden am 24. August in Duisburg beim TARGOBANK Run an der Startlinie stehen – darunter zwei Athleten, die zu Deutschlands absoluter Laufelite gehören. Nachdem wir kürzlich den Titelverteidiger Marc-André Ocklenburg in einem Interview vorgestellt haben, portraitieren wir diesmal seinen Herausforderer Hendrik Pfeiffer.

Hendrik Pfeiffer – Foto: privat

Hendrik Pfeiffer, 24, studiert Journalismus und ist Werkstudent bei Klöckner & Co in Duisburg. 2016 erfüllte er mit seinem Marathon-Debüt in 2:13 auf Anhieb die Olympianorm, konnte gesundheitsbedingt aber nicht nach Rio reisen. Am TARGOBANK Run nimmt Pfeiffer 2017 zum ersten Mal teil.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamläufen – setzt das zusätzliche Energie frei?

An einem Firmenlauf habe ich noch nicht teilgenommen, aber an Mannschaftswettkämpfen mit meinem Verein. Man hat eine noch größere Verantwortung. Das ist bei Staffelläufen extrem. Da weht noch einmal ein ganz anderer Spirit – ich hoffe, dass das auch bei uns „Kloeckner Fit-4-Steel Runners“ so sein wird. Natürlich steht die eigene Leistung immer im Vordergrund, aber die Teamwertung ist das Salz in der Suppe.

Welcher besondere Spirit geht für Sie von Stadtläufen aus?

Ohne diese Stadtläufe wäre ich nie so früh Marathonläufer geworden. Normalerweise kommt man von der Bahn und steigert die Distanz nach und nach. Aber mich hat dieses Stadtlauf-Fieber schon ganz früh gepackt, weil die Stimmung unglaublich ist – viel besser als bei den Bahnläufen. Auch als ich vor kurzem bei den Deutschen Meisterschaften die 10.000 Meter auf der Bahn gelaufen bin, war da praktisch nichts los. Eine Besonderheit von Stadtläufen ist auch, dass hier alle Alters- und Leistungsklassen zusammen an den Start gehen. Da steht ein absoluter Hobbyläufer neben einem kenianischen Weltstar. Das macht für mich den Reiz aus.

2016 haben Sie sich mit Ihrem Marathondebüt für Olympia qualifiziert, konnten aber verletzungsbedingt nicht in Rio antreten. Wie haben Sie das bewältigt?

Das war ein unglaubliches Auf und Ab der Gefühle: Eigentlich war das Debüt ein Jahr später geplant. Aber ich sagte mir: Komm, ich versuch’s – ist wahrscheinlich ein Himmelfahrtskommando, aber ich liebe das Risiko. Dass ich die Norm gelaufen bin, war ziemlicher Wahnsinn, ich war im siebten Himmel! Die Schattenseite war aber, dass ich die ganze Zeit schon Probleme mit der Achillessehne hatte. Es war eine bewusste Abwägung, so lange damit durchzuhalten, wie es geht. Dass Olympia dann daran scheiterte, war vielleicht weniger hart, als wenn ich kurz vorher einen Unfall gehabt hätte. Ich konnte mich also schon ein bisschen darauf einstellen. Trotzdem war es unglaublich schwer. Der Gedanke, der mich gerettet hat, war: Dass ich mich schon 2016 qualifiziert habe, ist sensationell, aber mein Fokus lag ja auf Tokio 2020! Also habe ich mich für die OP entschieden, statt noch mehr zu riskieren – womöglich sogar die ganze Karriere. Dabei habe ich gleich schon wieder nach vorne geschaut.

Ist inzwischen alles verheilt, konnten Sie die letzte Zeit gut trainieren?

Es hat ein bisschen gedauert, bis sich die Fortschritte nach der OP eingestellt haben, aber ab Januar ist es schnell besser geworden. Allerdings hatte ich acht Monate nichts gemacht und deshalb neun Kilo Übergewicht abzubauen. Bis April ist mir das gelungen, und bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften bin ich Vizemeister geworden. Jetzt bin ich dabei, mich auf die Bahnsaison einzustellen, um die Schnelligkeit weiterzuentwickeln. Das ist gar nicht so leicht, weil ich es nicht mehr gewöhnt bin, in Spikes-Schuhen zu laufen. Es dauert lange, wieder dahin zu kommen, wo man einmal war. Ab Juli steige ich wieder ins Marathon-Training ein, was mir am besten liegt.

Welche Saisonziele haben Sie 2017 noch?

Den Köln-Marathon am 1. Oktober – und davor natürlich den TARGOBANK Run.

Geben Sie uns einen Tipp, wie man sich am Wettkampftag ernährt?

Wenn der Wettkampf am Abend ist, sollte man mittags kohlenhydratreich essen, um die Speicher aufzufüllen. Ich mag sehr gerne Nudeln mit Tomatensoße, das liegt auch nicht schwer im Magen. Wovon ich abraten würde, ist Gemüse, weil es zu viele Ballaststoffe hat. Grundsätzlich ist Gemüse eine super Sache, aber nicht vor dem Wettkampf, weil man Magenprobleme kriegen kann. Ansonsten sollte jeder seine Gewohnheiten ein bisschen beibehalten. Wenn man etwas isst, was man sonst nie zu sich nimmt, kann das schiefgehen. Etwa zweieinhalb Stunden vor dem Lauf sollte man nichts mehr essen. Ein Stück Banane kurz vorher ist super, das bringt noch mal einen Schub.

Welche Sportarten begeistern Sie außer dem Laufen – aktiv und als Fan?

Im Moment trainiere ich so intensiv, dass da kein Freiraum für einen anderen Sport ist. Aber bevor ich zum Laufen gekommen bin, war ich acht Jahre Fußballer. Wenn sich die Gelegenheit bietet, spiele ich gerne noch mal mit meinen Freunden, allerdings immer mit angezogener Handbremse, um mich nicht zu verletzen. Zum Ausgleich gehe ich manchmal Schwimmen, um die Muskulatur zu lockern.

Ich bin immer froh, wenn im Fernsehen nicht nur Fußball, sondern auch mal ein Basketballspiel gezeigt wird oder ein Leichtathletik-Meeting.

Vielen Dank für das Gespräch und bleiben Sie verletzungsfrei!

Nach 42,195 Kilometern in Düsseldorf 2016 – Foto: Norbert Wilhelmi